Architectura Pro Homine - Forum für Klassische und Traditionelle Baukunst - www.aph-forum.de.vu

    

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 Forum Index —› Architektur allgemein —› Wiederaufbau Stadtschloss Berlin
 


Autor Mitteilung
Hans-Dominik Schwabl
Mitglied

Beiträge: 120


 

Gesendet: 17:42 - 27.08.2004

Warum macht man keine Schloßbau-Lotterie? Im 19. Jhdt. hat man so die Turmfassade des Kölner Doms finanziert, ein Unternehmen, das sicher nicht billiger war als der Schloßneubau.
Gerade in schlechten Zeiten ist so ein Großunternehmen außerdem ein Element der Wirtschaftsbelebung, schafft Arbeitsplätze ...
Hans-Dominik Schwabl
Mitglied

Beiträge: 120


 

Gesendet: 17:47 - 27.08.2004

Der Kölner Dom ist auch nur fertiggeworden, weil man 1842 einmal angefangen hat weiterzubauen und keine Kompromisse (Vereinfachung wegen Geldmangels,...) eingegangen ist. Daher sage ich zum Berliner Schloß: Anfangen! die Sache bekommt dann schon ihre Eigendynamik, die dann verhindern wird, daß das Unternehmen hängenbleibt.
campus solis
Novize

Beiträge: 26


 

Gesendet: 17:51 - 27.08.2004

die idee, dass schloss teilweise zu bauen hatte ich auch schon mal; hierzu muss das nutzungskonzept so ausgearbeitet sein, dass jeder einzelne schlossfügel eine bestimmte funktion erhält (als wären es eigenständige gebäude).

mein vorschlag: 4 bauphasen:

1. phase: eosander-flügel
2. phase: lustgarten-flügel
3. phase: schlossplatz-flügel
4. phase: spree-flügel und ausbau der innenhöfe

zuerst sollten natürlich die flügel errichtet werden, die für das stadtbild am wichtigsten sind; d.h. eosander-flügel und lustgarten-flügel (wegen ansicht von unter den linden und lustgarten); spree-flügel kann erst mal "nachranging" behandelt werden, weil man den ja nach heutigen planungen modern baun will; da bleibt dann noch genug zeit auch hier für eine reko zu kämpfen.

mit der 1. phase könnte man morgen schon anfangen; der bauplatz ist ja frei;
hat jemand noch ein paar backsteine und etwas mörtel zu hause? wenn ja dann könnten wir uns ja morgen um 10:00 uhr aufm schlossplatz treffen und mit dem bau beginnen wenns die politik nich auf die reihe bekommt, müss mers hat selber machen
Philon
Stammgast

Beiträge: 90


 

Gesendet: 18:55 - 27.08.2004

@campus solis,

die Idee, selbst schon mal anzufangen ist eigentlich gar nicht so schlecht als Protestaktion gegen die Verschleppung des Baubeginns. Müßte allerdings medientechnisch ein bißchen vorbereitet werden, damit's nicht untergeht.
Morgen dürfte ohnehin wegen der McKinsey-Party um den Schloßplatz rum Chaos herrschen. Da würden wir unter den Anti-McKinsey-Protesten untergehen (wenn wir überhaupt bis zum Schloßplatz kämen).
campus solis
Novize

Beiträge: 26


 

Gesendet: 19:34 - 27.08.2004

hier ein zeitungsbericht aus der berliner morgenpost, der zeigt, dass es doch mit dem schloss vorangeht.

er erschien am selben tag (25.08.) wie der bericht auf der vorigen seite, der prophezeite, das das schloss nie gebaut werde (der autor ist wohl ein voller schloss-gegner?!).

also hier isser:

Probestücke aus Gips

Der Wiederaufbau des Stadtschlosses hat bereits begonnen - in den Berliner Steinmetzwerkstätten
Von Dankwart Guratzsch

Am Berliner Schloss wird schon gebaut - die Politiker und die Bevölkerung von Berlin haben nur noch nichts davon gemerkt. In Berliner Steinmetzwerkstätten entstehen bereits die ersten Werkstücke für Fenstergewände, Fenstergiebel, Gesimse und figürlichen Schmuck. Und das soll schon bald deutschlandweit Nachahmung finden. So haben es "Schlossbauherr" Wilhelm von Boddien, der Berliner Steinmetzobermeister Karl Heinz Schafhausen, die Architekten Rupert und York Stuhlemmer, Berlin, und Bundesinnungsmeister Martin Schwieren, Köln, jetzt bei einem Treffen in der Steinmetzwerkstatt von Carlo Wloch in Pankow beschlossen. "Wir bauen auf die normative Kraft des Faktischen und beginnen mit der Arbeit", sagt der Sprecher der Gruppe, Manfred Höhne. "Die politischen Entscheidungen werden schon folgen."

Wlochs Werkstatt an der Straße 52A im Norden Berlins wird immer mehr zum Operationszentrum für die Steinarbeiten. Auf dem Fußboden, an den Wänden und draußen unter freiem Himmel liegen und lehnen fertige Probestücke aus Gips - darunter laut Wloch "sehr komplizierte Profile", die vier jungen Meisterprüflingen als Vorlage dienen sollen. Die sollen noch in diesem Jahr mit den ersten geschliffenen und behauenen Steinen aus sächsischem Sandstein ihre Prüfung ablegen und damit die ersten Originalbeiträge für den Wiederaufbau des Schlosses liefern. Alle 13 deutschen Steinmetzschulen sollen folgen.

Carlo Wloch sieht in der Aufgabe eine "unheimliche Motivation, auch für die Ausbilder". Denn der originale Steinschnitt werde kaum noch gelehrt. "Für unser Handwerk bringt das Schloss einen gewaltigen Qualitätsschub, den jungen Meistern stehen europaweit alle Türen offen, die Schweden, die Dänen, selbst die Russen - sie suchen alle händeringend nach Fachkräften. Eigentlich", so fügt er mit einem Anflug von Melancholie hinzu, "eigentlich ist unser Beruf ja ausgestorben."

Für die bundesweite Aktion der Steinmetze hat Wloch einschlägige Erfahrungen beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche gesammelt. Denn er war es, der schon damals eine bundesweite Hilfsaktion der Steinmetze nach eigenen Worten mitinitiiert hatte: "Die rümpften erst die Nase. Ein Preuße!" Bald folgten Steinmetzschulen aus "fast ganz Deutschland". Einen beträchtlichen Teil der Werksteine fertigten die Meisterprüflinge kostenlos als "Stiftung". Manfred Höhne versichert: "Das wird sich beim Wiederaufbau des Schlosses in großem Stil wiederholen. Wir sind bereit, für Gotteslohn dies und jenes zu tun." Nebenan, in der Werkstatt von Matthias Körner, sieht sich der Besucher mit flügelschlagenden und zähnefletschenden Lebewesen konfrontiert. Körner arbeitet am figürlichen Schmuck der Schlossfassaden. Einer von 50 individuell gefertigten Adlern ist in der Gipsform fertig, soeben hat der Steinmetz einen Löwenkopf vollendet, der die in Arbeit befindliche "Probeachse" des Schlosses in luftiger Höhe bekrönt. Um ihn am fertigen Bau erkennen zu können, wird man ein Fernglas brauchen. Die beklemmend lebendigen Gesichtszüge der Bestie hat der Steinmetz aus Analogiestudien, durch fotogrammetrische Auswertung und mit Hilfe von "unscharfen Fotos" ermittelt. Tausendmal wird sich dieses Motiv an der Bildhauerfassade des Schlosses wiederholen, die nach Körner ein künstlerisches Werk darstellt, das in Mitteleuropa einmalig ist.

Seit knapp zwei Jahren arbeitet er an der Achse, im Herbst will er sie vollenden. "Dann haben wir praktisch die gesamte Fassade am Lustgarten und am Schlossplatz mit Ausnahme der Portale erfasst, denn die Probeachse muss dann nur noch in Stein kopiert werden - insgesamt 50 Mal." Welche Dimensionen das Werk annimmt, zeigt ein Zahlenvergleich mit der Frauenkirche: Für das Schloss wird die achtfache Menge an Werksteinen benötigt. Nur allein jeder der 50 Adler wird aus einem Block von drei Kubikmetern gehauen. Die Kosten des gesamten Steinkleides für das Schloss veranschlagt Wilhelm von Boddien mit 80 Millionen Euro - ein erstaunlich "niedriger" Preis, kostet doch ein einziger Kilometer U-Bahn schon fast dasselbe, ein Fußballstadion wie die "Arena auf Schalke" knapp das Fünffache.

Für Deutschlands Steinmetze ist es laut Höhne nicht zuletzt ein Beschäftigungsprogramm. "Was die bei der Frauenkirche gelernt haben, können sie jetzt in Berlin anwenden. Ohne das Schloss hätte mancher von ihnen in Deutschland keinen Auftrag mehr." So solle der Wiederaufbau auch nicht europaweit oder gar weltweit ausgeschrieben werden, sondern eine "deutsche Angelegenheit" sein - und sei es aus rein künstlerischen Gründen. Denn was entstehen soll, ist nicht irgendwas, sondern preußischer Barock." Dann holt er zu einem noch größeren Vergleich aus: "Der Schlussstein der Einheit Deutschlands."
Booni
Mitglied

Beiträge: 190


 

Gesendet: 19:39 - 27.08.2004

Hört sich gut an... bin mal gespannt ob das jetzt doch noch relativ zügig vorangeht (man betone hierbei relativ)
Philon
Stammgast

Beiträge: 90


 

Gesendet: 20:06 - 28.08.2004

Ich habe eben den folgenden Artikel in der Online-Ausgabe des "Tagesspiegel" gefunden:
"Wie füreinander geschaffen

Die einen wollen das Schloss, die anderen den Palast der Republik. Nun zeigen Pläne, wie beides zusammen passen kann

Von Lothar Heinke

Die Diskussion um den Palast der Republik flammt plötzlich wieder auf, als hätte einer in die Asche geblasen und unverhofft ein frisches Feuer entfacht. Die einen entdecken den Rohbau als „angesagte Location“ für ihr kulturelles Allerlei, und das neugierige Publikum strömt herbei, weil alles so schön morbide ist und dem Tode geweiht. Andere fürchten sich davor, dass der abgewrackte Vergnügungsdampfer als Symbol für die DDR plötzlich neu benutzbar wird und, statt endlich zu verschwinden, eine Art Wiederauferstehung feiert. Die Besucher strömen in einen unverputzten, rohen Bau, dessen Türen sich längst geschlossen hatten.

Über all dem schwebt geradezu geierhaft der Beschluss, das Volkshaus abzureißen. 2005? 2006? Und was kommt danach? Eine grüne Wiese als die einfallsloseste „Nutzung“ zwischen Palast und Schloss? Für wie lange? Nichts ist klar, und viele fragen sich: Warum eigentlich können nicht Teile des asbestbereinigten Palast-Rohbaus in das künftige Gebäude mit einbezogen werden?

Einer hat sich hingesetzt und aufgezeichnet, wie so eine Integration aussehen könnte. Eine Planungsskizze, ein Diskussionsbeitrag. Ein wütender Zwischenruf von Manfred Prasser, dem Architekten von Schauspielhaus, Gendarmenmarkt, Friedrichstadtpalast und vom Großen Saal, dem Herzstück vom Palast der Republik. Jenem wandelbaren Sechseck, in dem jüngst der BDI tagte und in dem Udo Lindenberg gern wieder singen würde – wie einst in diesem Haus.

Der Architekt begrüßt ausdrücklich die Pro-Schloss-Entscheidung des Bundestages, „weil sie die Chance gibt, dass die Deutschen an dieser Stelle der Geschichte Rechnung tragen“: Prasser meint, es wäre eine geschichtliche Meisterleistung, sich hier zur Historie zu bekennen, also zum Kurfürsten und zum Großen Friedrich, zu Kaiser Wilhelm und dann auch zur „Zwischenmahlzeit“ DDR mit Teilen des Palastes. Es wäre ein politischer Fauxpas, das Schloss nur als Potemkinsche Fassade zu bauen, hinter der sich, nun ja, ein Schmetterlingsmuseum verbirgt – nun müsse endlich auch einmal über den Inhalt gesprochen werden.

Diesen besonderen Ort der deutschen Geschichte als Schloss-Palast- Komplex stellt sich der Architekt wie eine „geistige Burg“ vor: Zunächst gehört der Präsident in dieses Zentrum der Republik, hier sollte er residieren und wohnen. Dann müsse sich das Schloss der geistigen Elite öffnen, die hier die Zukunft diskutiert. Es sollte eine Stätte für Wissenschaft, Kultur und Philosophie sein, aber auch Ausstellungs- und Produktionsort für Künstler sowie Heimstatt für Kongresse und Veranstaltungen. Der östliche Teil neben dem Spreeufer könnte schon morgen für Diskotheken, Restaurants und Cafés an einer Dampferanlegestelle geöffnet werden. Überhaupt sollte das komplette Untergeschoss und damit eine riesige Bausubstanz erhalten bleiben – das Haus steht in einer Art Wanne mit einer zweieinhalb Meter dicken Bodenplatte, die beiden Untergeschosse sind zwei mal fünf Meter tief.

Zum Prasser-Plan gehört die Integration des Großen Saales in das Schloss, „das ist ein total sanierter, leistungsfähiger intakter Rohbau, und es ist technisch überhaupt kein Problem, das Schloss gewissermaßen drum herum zu bauen“. Der Saal könnte dort bleiben, wo er jetzt ist – an der südöstlichen Ecke. Er nähme etwa ein Viertel des Schloss-Komplexes ein. Davor, zur Spree hin, plant Prasser als Hommage an die Anfänge Teile des ersten Schlossbaues aus dem 16. Jahrhundert; rechts daneben, gegenüber dem Dom, sollte auch die historische Schlossapotheke wiederauferstehen.

Vor den Präsidenten-Teil hat Prasser zwei gläserne Pyramiden gestellt, Kollege Pei und der Louvre lassen grüßen. Im vorderen Eingangs-Bereich verbirgt sich hinter dem Eosander-Portal der Schlosshof, begrenzt vom Schlüter-Portal als Eingang zum Kongresszentrum, dem allerdings der einstige Schlüterhof zum Opfer fiele.

Dieses „Integrationsmodell“ mit historischer und moderner Gestaltung spart nach einer ersten Berechnung des Architekten etwa 200 Millionen Euro von einer noch nicht exakt bezifferten Gesamtsumme. Und es verkürzt die Bauzeit um zwei Jahre. Was schon da steht, muss nicht neu gebaut werden. In Zeiten knapper Kassen kann so eine Überlegung Gold wert sein – Friedrich II. würde dafür einen Orden verleihen, Schlüter und Schinkel hätten ihre Freude.

In diesem Sinne sollten sich die besten Architekten der Welt an diesem Bau beteiligen, sagt Manfred Prasser. „Wir müssen uns zu unserer Geschichte bekennen – wo, wenn nicht hier?“ Und bald. Bevor die Schneidbrenner kommen und jene, die auf die Stahlträger aus dem „Palast“ erpicht sind… "


Ich muss sagen, das Konzept von Prasser ist eines der überzeugendsten, die ich bislang kenne (abgesehen von der absolut dämlichen Idee mit Glaspyramideniden statt Schlüterhof):
1. Das Nutzungskonzept ist weitaus überzeugender (Sitz des Präsidenten und Diskussionsforum der Republik) als diese ganzen komischen Museumsideen.
2. Ein Teil des PdR wird erhalten und in das Schloß integriert. Auf diese Weise bleibt die ganze Geschichte dieses Ortes in einer Art "Schichtung" präsent und zugleich entsteht ein Mahnmal für die Schloßzerstörung .
3. Das ganze wird erheblich billiger (ein Argument weniger für die Rekonstruktionsgegner )und damit schneller realisierbar.
4. Prasser will auch einen Teil des Renaissance-Flügels rekonstruieren (was im bisherigen Konzept ja leider nicht vorgesehen ist)!
5. Und nun noch ein negativer Punkt: Die idiotische Idee "Glaspyramiden statt schlüterhof" muß natürlich vom Tisch

Was haltet ihr denn davon?
PeterBerlin
Bronzenes Premium-Mitglied

Beiträge: 584


 

Gesendet: 23:12 - 28.08.2004

Jeder kennt mich als vehementen Hasser des Modernismus. Und wenn selbst ich einer "Modernen" Lösung (allein beim Wort streuben sich mir sämtliche Haare) zustimme, muss das was bedeuten. Ich muss ganz ehrlich sagen: ich finde die Prasser Lösung 100% klasse - fast sogar besser als eine Komplettreko 1:1 (die ja sowieso nicht kommt). Und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens find ich es überraschend, dass ein Architekt, dazu noch einer der ausgerechnet am PdR beteiligt war(!), sich eindeutig PRO Schloss ausspricht, und die Entscheidung für die Reko "mutig" findet. Allein ein einziger SAtz wie "Wir müssen uns zu unserer Geschichte bekennen" (was FÜR das Schloss heisst) macht ihn mir schon mal sehr sympathisch. SEine Vorschläge (Der Präsident soll drin residieren, Zentrum für Kunst, Kultur etc.) finde ich genial.

Zweitens, und das ist mein Hauptgrund: Über 2 Drittel des Schlosses waren vor der Zerstörung schmucklose Büroräume, preussische Beamtenstuben, Lagerräume etc.. Das heisst: Selbst wenn man das gesamte restliche Drittel wertvoller Historischer Innenräume rekonstruieren würde, wäre doch noch enorm viel Platz da. Einzige Gefahr die ich sehe: Dass der PDR hoffentlich nicht an genau einer Stelle steht, an der historische Räume rejkonstruiert werden könnten. Dann wirds schwierig. Sollten aber dafür einige der "preussischen Beamtenstuben und Lagerräume" geopfert werden, seh ich darin überhaupt kein Problem (denn auch die würden sowieso nicht kommen, sondern statt dessen "neo-preussische", also bundesrepublikanische Beamtenstuben. Und um die ist es ja nicht schade).

Wenn die Lösung also folgendes bedeuten würde:

1) Schloss als Teil des Stadtbilds völlig ohne jegliche Moderne Elemente , reine SchlossReko

2) Innen eine Vielzahl von historischen Räumen rekonstruiert, die übrigen Räume "angepasst".

3) hinabsteigen in ein kleines "eingebautes" Museum, Erichs's Lampenladen quasi als kleine Vitrine im grossen Schloss, um die herum die Touristen sich die Nase plattdrücken und es bestaunen können ("kuck mal Elfriede, was geschmacklose Lampen die im 20. Jahrhundert im Kommunismus hatten") -

wenn all das Prassers Lösung wäre: dann würde ich sofort mit einem klaren JA stimmen!

Mich stört nämlich weniger der PDR selbst, als vielmehr die Stelle, an dem er steht. Im übrigen bin ich der Meinung, dass der Volkskammersaal absolut wertvoll ist, nein, nicht aus künstlerischer Sicht, sondern als historisches Zeugnis: Hier stimmten die demokratisch gewählten Vertreter von 17 Millionen Deutschen, denen 40 Jahre lang das Selbstbestimmungsrecht verweigert worden war, das allererste Mal ab: Und sagten Ja zur Deutschen Einheit. Ich bin tatsächlich der Meinung, dass man diesen Saal erhalten sollte. Dennoch bin ich 100% für das Schloss. Durch Prassers Lösung wird beides möglich. Ich finde Prassers Lösung genial.
Roy Batty
Mitglied

Beiträge: 133


 

Gesendet: 01:36 - 29.08.2004

Ja, das hat wirklich was...obwohl mir -ja, ich weiß daß ich mir hiermit die uneingeschränkte und immerwährende Todfeindschaft des gesamten Forums zuziehen werde- dr Ballasd dr Räbbebligg vom ästhetischen besser gefällt als das Schloß. Ich fand den schon als kleiner Junge und als JP toll. Irgendwie hatte es das Kupferglas in Verbindung mit dem weißen Betan mir angetan, weiß auch nicht recht, warum.

Zu meiner Entschuldigung muß ich vorbringen, daß ich als Jungpionier so ziemlich viele Scheußlichkeiten einfach toll fand. Der Uniturm in Jena(penis jenensis) und der in Leipzig(Weisheitszahn)haben mich unglaublich fasziniert...die eigenartige Vorliebe für Türme hat mich seitdem nicht losgelassen.......ähm, ich schweife ab, besser nicht weiterreden...

Natürlich muß der PR weg, das ist so klar wie Kristall. An dem Standort MUSS es das Schloß sein, wenn berlin überhaupt jemals eine Art historische Mitte wiedergewinnen will.

Übrigens weiß ich gut von unserem Familienprojekt, der jugendstilgehaltenen Van-de-Velde-Villa Schulenburg in Gera(1913), daß die fertigstellung Nutzung quasi automatisch nachzieht. Nach der Fertigstellung bzw. Restauration(das ganze Ensemble war in einem erbärmlichen zustand, durch 40 Jahre DDR-Verfall, es bleibt noch viel zu tun) des Torhauses konnte gleich eine Ausstellungs einziehen sowie eine Cafetaria und Sprechzimmer für Patienten. Der Keller des Haupthauses ist bereits fertig und wird als Kulturraum genutzt, Zentrum der "Europäischen Gesellschaft der Freunde Henry van de Veldes". Auch wenn noch irrsinnige viel Arbeit folgt, und viel Geld reingesteckt werden wird - es fließt bereits ein Teil durch verantstaltungen, Symposien, Musik/Kinoabende ect. wieder zurück! Vielleicht kann man es auch beim Berliner Stadtschloß so halten, daß man je nach Fertigstellung von Teilabschnitten diese bereits kräftig nutzt, ahnslich wie in Dresden. So wird der Schloßgedanke Schritt für Schritt ins kollektive Gedächnis zurückgetragen....Vielleicht sollte man in dieser Hinsicht nicht gar so pessimistisch sein. Berlin wird sicher noch ein paar Jahrzehnte bundesdeutsche Hauptstadt bleiben, so daß sich das Schloß als Kulturmittelpunkt präsentieren könnte.

Der historische VK-Saal des PR wird erhalten und nebenan werden die ersten veranstaltungen schon folgen, wenn an der Fassade noch gearbeitet wird....
Seraph Eleison
Mitglied

Beiträge: 127


 

Gesendet: 02:23 - 29.08.2004

Die Idee ist wirklich gar nicht mal so schlecht. Mir würde es auch schon reichen, wenn man die Fassaden (Hauptportal, Lustgarten, Schlossplatz) sowie die Kuppel rekonstruieren würde. Das Innere könnte auch modern sein bzw. der Palast der Republik als Bestandteil des Schlosses. Im Wesentlichen geht es mir nur um zwei stadtbildprägenden Fassaden, nämlich die Front und die Richtung Lustgarten.

Die Idee von campus solis finde ich z.B. gar nicht mal so schlecht! Einfach jeden Flügel einzeln bauen. Das spart Geld und die Kritiker können sich langsam an das Schloss gewöhnen. Ein Nachteil könnte dabei aber sein, dass man z.B. nach Fertigstellung der Hauptfassade sagt, dass man nicht weiterbaut.

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