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 Forum Index —› Architektur allgemein —› Wiederaufbau Stadtbibliothek Frankfurt
 


Autor Mitteilung
Anonymous


Gesendet: 14:16 - 24.03.2003

Das ist das gute Stück

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Macht auf die Tür
Frankfurt rekonstruiert seine klassizistische Stadtbibliothek – und die Kunsthalle „Portikus“ zieht um

Von Christian Huther

Einer der schönsten klassizistischen Bauten Deutschlands ersteht bald wieder. Die von Bürgern gestiftete, von Johann F. C. Hess entworfene Stadtbibliothek galt zu ihrer Bauzeit 1820-25, also nach der napoleonischen Besatzung, als Denkmal der Befreiung und als Bekenntnis zur Macht der Bildung. Davon kündet heute noch die lateinische Inschrift im Giebel mit der Formel „Den Künsten – nach der Wiedererlangung der Freiheit – die Bürgerschaft“. Doch nach der Bombardierung Frankfurts 1944 blieb nur der Vorbau mit der Säulenhalle stehen, der Portikus.

Erst seit 1987 wird er wieder genutzt, als Eingang für eine aus mehreren Containern bestehende „Kunstkiste“ des damaligen Frankfurter Städelschulrektors und heutigen Museum-Ludwig-Chefs Kasper König. Er machte aus der kleinen „Portikus“-Halle in der Nähe des Römers ein international renommiertes Institut, das jungen wie arrivierten Künstlern ein Forum für unkonventionelle Auftritte bietet. Auch unter Königs seit knapp zwei Jahren amtierendem Nachfolger Daniel Birnbaum blieb das so, obwohl das Institut schon mehrfach nur mit knapper Not vor dem finanziellen Ruin gerettet werden konnte. Nun aber steht es dem Wiederaufbau der alten Stadtbibliothek im Wege.

Doch mit dem nahen Standort auf einer Maininsel westlich der Alten Brücke fand sich ein Ausweichort, auch die Finanzierung über einen Investor scheint gesichert. Im Frühsommer 2003, wenn nach dem Beschluss des Magistrats der Stadt Frankfurt mit dem Wiederaufbau der Stadtbibliothek begonnen wird, muss der „Portikus“ weichen und bis zur Fertigstellung seines Neubaus Ende 2003 andere Quartiere nutzen. Immerhin wird der Neubau mit 450 Quadratmetern Fläche etwas größer sein als bisher, die Baukosten werden auf 750000 Euro veranschlagt. Die endgültige Form indes steht noch nicht fest, der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler lieferte bisher lediglich einen Entwurf.

Auch die neue Stadtbibliothek soll Mäckler bauen, der durchaus ein Faible für historische Stile hat. Das Äußere will er mit dem langen, nach außen hin zweigeschossigen Bau samt sechs korinthischen Säulen und einer mächtigen Freitreppe originalgetreu rekonstruieren. Im Inneren hingegen kann sich Mäckler völlig frei entfalten, zumal der Bau keine Bibliothek mehr, sondern das Literaturhaus aufnehmen soll.

Im Erdgeschoss entstehen ein Vortragsraum mit 200 Plätzen und ein Restaurant mit Terrasse. Für das Obergeschoss sind Ausstellungs- und Verwaltungsräume vorgesehen; zudem hat Mäckler einen repräsentativen Saal mit umlaufender Galerie, Holzvertäfelung und marmorierten Wänden entworfen, der ob seiner prachtvollen Ausstattung umstritten ist. Im Dachgeschoss schließlich sind zwei Dichterwohnungen geplant.

Sogar die Finanzierung dieses prestigeträchtigen Wiederaufbaus ist bereits gesichert. Ein seit mehreren Jahren die Werbetrommel rührender Bürgerverein hat einen Großteil der veranschlagten, bis zu elf Millionen Euro beisammen; nur für die Inneneinrichtung will man noch um Spenden bitten. Nach der voraussichtlichen Fertigstellung im Frühjahr 2005 soll die alte Stadtbibliothek ins Eigentum der Stadt übergehen, die dann für den Unterhalt aufkommen muss. Immerhin erspart der Einzug des Literaturhauses der Stadt eine Jahresmiete in Höhe von 350000 Euro.

Damit aber der Blick auf das neue, alte Kleinod ungetrübt bleibt, soll das dahinter stehende Schwesternwohnheim, das als eines der hässlichsten Gebäude der Stadt gilt, zumindest so weit abgetragen werden, dass es nicht mehr über die Stadtbibliothek hinaus ragt. Nicht umsonst gilt dieser Platz am Mainufer, der im Straßennamen eine „Schöne Aussicht“ verheißt, derzeit als eine Schmuddelecke.

Mit dem Wiederaufbau setzt sich der allerorten zu beobachtende Hang zu originalgetreuen Repliken auch in Frankfurt fort. Bezeichnend für die seit Jahren notorisch klamme Stadt ist, dass ein Bürgerverein das Vorhaben alleine stemmt. Erst kürzlich wurde die Rekonstruktion des barocken Thurn-und-Taxis-Palais im Stadtzentrum beschlossen, wiederum finanziert von einem privaten Investor. Frankfurt scheint die ideale Formel für das Zusammenspiel von Wiederaufbau, Bürgerengagement und Sparbemühungen gefunden zu haben.

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Ein Stadtschloss für Frankfurt am Main?
Frankfurt hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt
Von Dankwart Guratzsch
Während sich Berlin in quälerischem Abwägungsprozess mit der Frage plagt, ob es wünschenswert und "legitim" sei, das Stadtschloss wiederaufzubauen, sind die Parlamentarier in Frankfurt am Main weitaus entschlussfreudiger. Einstimmig hat das Stadtparlament beschlossen, die alte Stadtbibliothek des Stadtbaumeisters Johann Christian Friedrich Hess originalgetreu wiederaufzubauen.

In der Stadtverordnetendebatte konnte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth eine Anspielung auf die entscheidungsschwache Hauptstadt nicht unterdrücken. Es erfordere mehr Demut, ein historisches Gebäude wieder zu errichten als ein neues zu entwerfen. Übersetzt heißt das, dass Frankfurt für sich in Anspruch nimmt, aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben.

Bis vor 20 Jahren war in der Mainmetropole mit dem historischen Erbe beispielloses Schindluder getrieben worden. Prominentestes Opfer der Denkmalstürmerei waren die pompös-stolzen Theaterbauten am Theaterplatz und am Hauptbahnhof. Erst unter Roths Amtsvorgänger Walter Wallmann (CDU), seinem Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann und seinem Planungsdezernenten Hans-Erhard Haverkampf (beide SPD) wurde unter anderem die Alte Oper, für die die Bevölkerung Millionen gespendet hatte, wiederaufgebaut und in prachtvollen gründerzeitlichen Villen, die vorher zum Abbruch bestimmt gewesen waren, entstand eine neue Kulturmeile: das Museumsufer.

Mit der Stadtbibliothek entsteht nun ein Bauwerk neu, das einmal zu den klassizistischen "Leitbauten" Frankfurts gehört hatte. In dem von Goethe so geliebten Stil war es 1820-25 am nördlichen Mainufer errichtet worden (das Marmordenkmal des sitzenden Goethe im Atrium, ein Werk von Pompeo Marchesi, hatten Frankfurter Mäzene gestiftet). Obwohl im Zweiten Weltkrieg nur ausgebrannt, riss man den strahlend weißen Bau bis auf den mit sechs korinthischen Säulen geschmückten Portikus ab. Sein Wiederaufbau wird auf 6,9 Millionen Euro beziffert. Die Mittel dafür bringt überwiegend die Gemeinnützige Hertie-Stiftung auf. Die Stadt, die im Neubau das Frankfurter Literaturhaus unterbringen will, legt den Erlös aus einem Grundstücksgeschäft drauf, den schon der frühere Planungsdezerenent und leidenschaftliche Vorkämpfer des Wiederaufbaus der Bibliothek, Martin Wentz (SPD), dafür beiseite gelegt hatte.

Nun freilich trumpft der Frankfurter Projektentwickler Werner Pfaff noch mit einem ganz anderen "Highlight" auf, das er heute der Öffentlichkeit vorstellt. Er will der alten Freien Reichsstadt auch wieder zu einem Schloss verhelfen. Wie Berlin und wie Potsdam soll Frankfurt am Main sein "Stadtschloss" zurückerhalten, nämlich die riesige dreiflügelige Barockanlage des Palais Thurn und Taxis, die einmal nahe der Hauptwache stand. Sie war 1731-37 vom französischen Architekten Robert de Cotte für den Reichspostmeister Anselm Franz v. Thurn und Taxis errichtet, aber nur 17 Jahre von der fürstlichen Familie genutzt worden. Die Reichsstädter, die keinen "Dynasten" in ihren Mauern dulden mochten, verargten dem Fürstenspross Alexander Ferdinand die glanzvolle Hofhaltung und ekelten ihn aus der Stadt.

Das Palais freilich nutzten sie weiter und gewährten darin ihren illustresten Gästen Logis. Seit 1816 war es Sitz der Bundesverwaltung, seit 1905 "Museum der Völker". 1948 brach die Stadt die kriegsbeschädigte Anlage, die von Kulturhistorikern als "kleinere Variante der Schönbornschen Residenzschlösser Balthasar Neumanns" und als "das einzige repräsentative Gebäude der Bürgerstadt" gerühmt wird, bis auf die Torhäuser ab.

Dem Projektentwickler, der das von der Telekom an MAB Deutschland verkaufte Grundstück vermarktet, erscheint keine Hürde für die Realisierung des Wiederaufbaus zu hoch. Ihm steht der Sinn nach "etwas Wunderschönem". Deshalb will er das Schloss an einem Architektenwettbewerb für das Gelände teilnehmen lassen und hat den Bewerbern historische Unterlagen in Aussicht gestellt. Für die Finanzierung schwebt ihm ein Gegengeschäft vor. Da ihm der Bebauungsplan für das Grundstück zusätzlich auch ein Hochhaus gestattet, will er dieses einfach um etliche Etagen erhöhen. "Wir brauchen natürlich einen finanziellen Ausgleich. Ein Stadtschloss kostet ja viel mehr als ein normales Gebäude." Frankfurts Planungsdezernent Edwin Schwarz zeigt sich über die Privatinitiative jetzt schon entzückt: "Wir würden den Schlossbau auf jeden Fall begrüßen."

Oliver
Senior-Mitglied

Beiträge: 491


 

Gesendet: 13:49 - 25.03.2003

750000 € für die Rekonstruktion ?
Ist ja geschenkt !
Ich hätte mit dem zehnfachen gerechnet.
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 12:00 - 26.03.2003

sehr, sehr erfreulich.

die fassade der bibliothek ist zwar recht schlicht, aber die proportionen des gebäudes sind fast perfekt.
ein echtes schmuckstück!

Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 12:04 - 26.03.2003

hier noch drei aufnahmen.

bis 1945:



reko der fassade:



neuer lesesaal:



mathias
Senior-Mitglied

Beiträge: 315


 

Gesendet: 17:05 - 26.03.2003

Insbesondere der neue Lesesaal der Stadtbibliothek von Christoph Mäckler ist eine echte Überraschung!
Noch bemerkenswerter finde ich aber den Wiederaufbau des barocken Palais Thurn und Taxis in Frankfurt. Es war das Werk eines der bedeutendsten französischen Architekten, Robert de Cotte, der auch die Schlosskapelle in Versailles vollendet hat. Im 19. Jahrhundert wurde Deutschland sogar einige Zeit von diesem Gebäude aus regiert. Frankfurt wird ein wahres Schmuckstück zurückbekommen!
Oliver
Senior-Mitglied

Beiträge: 491


 

Gesendet: 17:18 - 26.03.2003

Ich habe Bilder vom Palais Thurn
und Taxis gefunden:




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Sieht schön aus !
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 17:49 - 26.03.2003

danke für die bilder, oliver.

gibt's eigentlich auch gesamtansichten des gebäudes?

die architektur scheint mir äußerlich eher schlicht zu sein, oder?
mathias
Senior-Mitglied

Beiträge: 315


 

Gesendet: 17:59 - 26.03.2003

Das Palais Thurn und Taxis stand mitten in Frakfurt und war von dichter Bebauung umgeben. Seine Fassaden entsprachen ganz dem französischen Architekturstil des 18. Jahrhunderts, der im Vergleich zu Italien und Deutschland strenger, "klassischer" war. Innen gab es jedoch prunkvolle Räume.
Ben
Goldenes Premium-Mitglied

Beiträge: 1337


 

Gesendet: 18:28 - 25.01.2004

Ich hab mal alte Threads durchgeschauht und ddabei diesen hier wiederentdeckt. Und? Wie sieht's aus? Ging allet glatt und es wurde mit der Reko begonnen oder ist immernoch alles beim alten...?
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 00:03 - 29.01.2004

würde mich auch interessieren: gibt's neues von der bibliothek?
Schmittchen
registriert

Beiträge: 13


 

Gesendet: 13:24 - 30.01.2004

Derzeit laufen irgendwelche Vorarbeiten, der Boden um den nun mutterseelenallein stehenden Portikus ist aufgewühlt. Die früher hinter dem Portikus stehenden Container, eben die Kunsthalle Portikus, sind schon seit längerer Zeit abgeräumt. Hoffentlich geht bald richtig los, Zweifel an einer Realisierung sind aber wohl nicht angebracht.

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