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Autor Mitteilung
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


Gesendet: 19:39 - 03.09.2004

liebe forumsteilnehmer,

nicht nur die katastrophe der weimarer bibliothek scheint etwas unterzugehen in der öffentlichkeit, auch ein öffentlicher aufruf der db - deutsche bauzeitung gegen rekonstruktionen, den ich im zusammenhang mit der schinkelschen bauakademie gepostet habe, scheint bisher noch nicht von euch "entdeckt" worden zu sein. angesichts der brissanz stelle ich das thema in dieser gesonderten rubrik nochmal ein.

leider nichts erfreuliches...


db - deutsche bauzeitung macht mobil gegen rekonstruktion

in ihrer neuesten ausgabe db 9/04 spricht claus käpplinger vom "kulissenzauber bauakademie". darüberhinaus ruft die zeitschrift auf ihren internetseiten (www.db.bauzeitung.de) junge architekten allgemein gegen rekonstruktion auf:

>http://db.bauzeitung.de/sixcms/detail.php?template_id=3285&id=159701

sie unterstützt dabei die absichten einer neue plattform im internet, die kurz vor ihrem auftritt steht:

> http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/

drehen die modernisten jetzt durch, fürchten sie sich vor dem zunehmende unmut in der öffentlichkeit gegenüber ihren alleinvertretungsanspruch oder gar vor seriöser auseinandersetzung mit traditionalisten?

in ungewöhnlichem maße stelle ich seit einiger zeit die zunehmende thematisierung von rekonstruktion, europäischer stadt etc. in den fachzeitschriften für architekten fest.

im übrigen sind auf den seiten der db noch weitere "schöne" artikel zu finden, welche vor allem unsere berlin-fans ziemlich interessieren dürften...

http://db.bauzeitung.de/sixcms/detail.php?template_id=3285&id=159599

http://db.bauzeitung.de/sixcms/detail.php?template_id=3285&id=159382

ein überblick über weitere artikel findet man hier:
http://db.bauzeitung.de/sixcms/list.php?page_id=903
ich empfehle sie wirklich mal durchzulesen. es sind meist kurze essays.
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


 

Gesendet: 23:24 - 03.09.2004

Die db ist seit jeher ein Kampfblättchen der reinen Lehre, die Artikel sind zugegebenermaßen oft gut geschrieben und bissig, aber eben auch sehr radikal und polarisierend, von daher halte ich die db nicht für eine besonderes einflussreiche oder gar "meinungsmachende" Zeitung. Und auch Initiativen dieser Art kann man einigermassen gelassen begegnen, da auch seriöse Fachleute gegenüber solch kompromisslosen Standpunkten auf die vernunftgebotene Distanz gehen dürften. Ein bißchen Rebellion und Getrommel der "jungen Szene", mehr wird von diesem Angebot sicher nicht ausgehen, das wiederholt sich ohnehin in regelmäßigen Abständen.
Die ideologiefreie und undogmatische Betrachtung des Themas Rekonstruktion wird sich durchsetzen, egal wieviele solcher Plattformen ins Leben gerufen werden.
Cuypers
Mitglied

Beiträge: 110


 

Gesendet: 01:17 - 04.09.2004

Ach Rösch. Ignorier die Spinner doch einfach. Was glaubst du, wieviele von 83,2 Millionen Bundesbürgern lesen die Zeitung regelmäßig?? Und vor allem besteht die Leserschaft eh mehrheitlich aus Architekten.

Und eine Plattform für neue Architekten ist doch eh nur ein Akt der Verzweifelung.
Immer mehr studieren und ignorieren die Tatsache, dass wir mehr als genug in Deutschland haben. Schon jetzt arbeiten immer mehr "berufsfremd" oder sind Arbeitslos(insb. die Jungen).
Sie werden Opfer der demographischen Wende und einem verklärten und falschem Ausbildungsganges(s.a. Kunsthistoriker, Archäologen etc..).
Nach Harz 5 oder 6(Stichwort "Zumutbarkeit") dürfen die noch froh sein, irgendwann mal als Putzfrau arbeiten zu dürfen.

In Köln gibt es Call-Centre da sitzen 35 jährige studierte Historiker, Architekten und Philosophen und bieten Menschen Lottoscheine via Telefon an.

Man muss ja nur mal die Fakten sehen:
In Deutschland existiert Wohnraum für nahezu 93Millionen Menschen(2003)

2050 wird Deutschland aber zwischen 60-65 Millionen Einwohner haben.

Für die Zukunft bedeutet das: Abriss und Sanierung vor Neubau.(Ist ja in vielen Städten schon heute so)
Andre
registriert

Beiträge: 22


 

Gesendet: 12:52 - 04.09.2004

@Cuypers: Die Tatsache das die Leserschaft aus Architekten besteht und vor allen Dingen das es sich dabei um junge Architekten handelt, stellt für mich das eigentlich Problem da. Wer baut denn unsere Häuser, eben jene jungen Architekten
Ein_Hannoveraner
Stammgast

Beiträge: 65


 

Gesendet: 13:30 - 04.09.2004

Toll. Ich studiere ja, um das Handwerk der Architektur zu erlernen, um an Rekonstruktionen mitarbeiten zu können...fühle mich immer mehr richtig als Aussenseiter. Zum Glück konnte ich mehr als 1/3 meiner Scheine im Bereich Baugeschichte erwerben...Einerseits habe ich fast jkeine Lust mehr, noch Diplom zu machen, andererseits möchte ich gerne an einem der Schlösser oder an der Garnisonkirche mitarbeiten...
Wenn ich so diese DB-Artikel sehe, habe ich manchmal das Gefühl, dieses Land wird sich noch kaputtdenken und diskutieren...Für das Schloss und die Bauakademie gibt es eindeutige Beschlüsse (Bauakademie im Bezug auf die kommunale Bauleitplanung), die auf Bürgerwillen beruhen und gegen die sich, meines Wissens nach, keine montagsdemonstrationen formiert haben ;-)
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 11:07 - 05.09.2004

@hannoveraner
Also Architekten sind natürlich DAS wichtigste Element - ich denke, bei einigen hier im Forum gerät das manchmal in Vergessenheit, wenn pauschal von "den Architekten" gesprochen wird. Das kann man natürlich keineswegs, ich kenne selbst ein Dutzend Gegenbeispiele, abgesehen von den bekanntesten Vertretern der "traditionellen Szene". Alles kleine, unbekannte Architekturbüros, die viele unserer "Gedanken leben" und in die Tat umsetzen.

Also nimm das nicht krumm... Es ist aber leider halt so, dass sich nur ein sehr kleiner Teil des Berufsstands mit genannten Gedanken beschäftigt, leider... den meisten geht es eben um´s reine Geld verdienen (wer könnte ihnen das auch verübeln, möchte ich ja auch!) oder provozieren
Ein_Hannoveraner
Stammgast

Beiträge: 65


 

Gesendet: 11:42 - 06.09.2004

Danke...aber das mit dem Aussenseiter meine ich auch eher im Bezug zu meinen Mitstudenten, nicht zu euch...Immerhin hat sich ja die letzten Jahre einiges getan. Vor ein paar Jahren dachte ich noch, die einzige Möglichkeit, traditionelle Architektur umzusetzen, wäre der Filmkulissenbau...Ich hoffe, das sich dieses Land bald berappelt, damit die vielen guten Ideen bald umgesetzt werden können (Stadtzentrum Potsdam z.B.)
Kai_2
Senior-Mitglied

Beiträge: 288


 

Gesendet: 14:31 - 06.09.2004

@ ein hannoveraner
erzähl doch bitte mehr von diesem umdenken - in wie fern macht es sich bemerkbar? und wie gehen die lehrkräfte damit um?

ja, was jürgen sagt, kann ich nur bestätigen. ich bin oft bei einer freundin in einem dorf in der lüneburger heide und alle neubauten sind traditionell oder zumindest in traditioneller formensprache mit moderner ausführung gestalten.

und nochwas, an hannoveraner, ich verstehe dich. ich will schon seitdem ich 9 bin architekt werden und "etwas ändern" im heutigen baugeschehen. nur wenn mich durch unsere städte laufe, verzweifle ich - warum gibt es schon so viel häßlich pseudo-'moderne'-architektur in deutschland? und warum wird immer mehr davon gebaut? ich kann mir nicht vorstellen, dass in absehbarer zeit ein umdenken einkehren wird, weil einfach viel zu viele, vor allem junge menschen der meinung sind, dass alles trad. zurückgewandt ist und alles glas-stahlige - umso abstrakter und abstruser es ist - supermodern und das "must-have" schlecht hin ist.
Bewacher
Mitglied

Beiträge: 215


 

Gesendet: 12:36 - 15.09.2004

Ich hoffe, der Aufruf der "Deutschen Bauzeitung" ist ein Zeichen der Verzweiflung...
Hans-Dominik Schwabl
Mitglied

Beiträge: 120


 

Gesendet: 12:55 - 15.09.2004

Ich würde genau das glauben!
Ein_Hannoveraner
Stammgast

Beiträge: 65


 

Gesendet: 16:43 - 15.09.2004

@ Kai_2:
Nein, in der Lehre ist davon weitgehend nichts zu spüren...es wird zwar auf aktuelle Probleme eingegangen (z. B. Seminar zur zum Phänomen schrumpfende Städte), aber reine Rekonstruktionen werden weitgehend abgelehnt, mit Ausnahme der Frauenkirche - im Nachhinein. Ein Institut beschäftigt sich mit regionaler Architektur und Siedlungsplanung, hat einige Ansätze, die ich gut teilen kann, das geht in die Richtung "Baukunst statt plakative Architektur" Das bedeutet einerseits das Weglassen "überflüssiger" und die Bautechnik verkomplizierender Applikationen wie glaserker oder so was unpraktisches wie auf der Spitze stehende Dreieckfenster. Andererseits aber auch ein Rückgriff auf Schrägdächer, weil sie ortsbildtypischer sind und jahrhundertelang gut funktionierten - das Wasser kann ja gar nicht anders, als von einer schrägen Fläche runterlaufen. Dafür reicht das Überlappen der Dachziegel völlig aus, ohne Silikon und aufwändiges Schweissen...Nur mal so als Beispiel.
Ansonsten gibt es im Institut für Stadtplanung eine Tendenz zur Rückkehr zu einer multifunktionalen, verdichteten europäischen Stadt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Flächenrecycling, z. B. Umnutzung stillgelegter Güterbahnhöfe, Industrieanlagen oder vor zwei jahren auch die Nachverdichtung der Johannstadt in Dresden.
Ich muss aber ehrlich sagen, dieses Forum hier ist eine erhebliche Bereicherung für mich. Ich bin für jede Vollrekonstruktion eines im letzten Krieg zerstörten oder irgendwie später umgekommenen Gebäudes, auch für kritische Rekonstruktionen, wenn es anders absolut unmöglich ist. Ein irgendwie eungutes Gefühl habe ich bei Neubauten, Neuschöpfungen mit überladenden Dekorationen, obwohl ich sie meist schön finde (Ausnahme: Die Einfamilienhäuser, die völlig falsche Grundproportionen haben und wo nur historisierende Applikationen angebracht sind). Die Patzschke-Bauten sehe ich aber durchweg als gelungenen Kompromiss, dort stimmen die Proportionen und Materialien.
Im Übrigen verstehe ich nicht, warum seit nunmehr 20 Jahren versucht wird, ökologisches Bauen neu zu erfinden. Alle Techniken dazu existieren seit 1000 Jahren (Fachwerk, Lehmausfachungen, intelligente Heizsysteme), aber daran kann heute natürlich keiner grossartig was Verdienen.
Für moderne Architektur bin ich dennoch offen, wenn sie sich ausserhalb historischer Stadtzentren in Neuentwicklungs- oder Konversions-(Umnutzungs-) Bereichen befindet oder wenn sie einen früher nicht existierenden Bautypus repräsentieren, beispielsweise Messehallen. Da liebe ich unser Messegelände, 10 km ausserhalb des ehemaligen historischen Stadtzentrums (bekannt von CeBIT und "EXPO")

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