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Autor Mitteilung
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 18:18 - 01.09.2004

@roy

gebe dir teilweise recht.

der heimatstil muß sich sicherlich nicht verstecken oder als naziarchitektur von dogmatischen modernisten verschreien lassen. freiburg oder freudenstadt wären zwei weitere beispiele und glücksfälle, daß man sich nach dem krieg großteils für den heimatstil entschieden hat. er macht den charme und die behaglichkeit dieser städte bis heute mit aus. hätten (und würden) sich nur mehr städte daran ein beispiel genommen (nehmen)... in beiden städte berücksichtigte der heimatstil (trotz mancher grundstückszusammenlegungen) die ursprüngliche keinteiligkeit und parzellierung.
dennoch wäre die reko weiterer wichtiger gebäude natürlich auch in freiburg wichtig gewesen (halten eben einen bildband von freiburg unmittelbar VOR und NACH dem Krieg in meinen händen), wobei dies keine abwertung des heimatstils bedeutet.

bei lübecks markt she ich es etwas differenzierter. sieh dir einmal die bilder an:

quelle: www.luebeck-im-bild.de/.../ marktbebauung.html

[Link zum eingefügten Bild]
[Link zum eingefügten Bild]
[Link zum eingefügten Bild]

kleinteiligkeit prägte auch in lübeck den markt. nur einzelen wichtige öffentliche (profane und sakrale) gebäude stechen in ihrer größe und besonderen gestaltung hervor.

[Link zum eingefügten Bild]
das neue postgebäude als element des historismus sprengte bereits diese dimension, war aber gestalterisch bis zu seiner "entkleidung" immer noch ein herausragendes gebäude.
in seiner schlichten form ordnete sich das gebäude nach dem krieg zwar unter, das problem seiner dimension blieb aber.
das problem der dimension des gründerzeitlichen postgebäudes, konnte der heimatstil an dieser stelle aber auch nicht lösen und war wohl auch nicht angedacht.

mir wäre die erhaltung dieses gebäude bis zu einer vernünftigen planung in erinnerung an die ursprüngliche parzellierung auch allemal lieber gewesen als das monster, das nun entstanden ist. kein zweifel.
aber haben sich die modernisten nicht auch ein stückweit auf die parzellenübergreifende fläche der ehemaligen post stützen können, als sie ihr monster planten?

wäre das überproportionierte postgebäude im stil des heimatstils für eine kleingliedrige, typische bebauung des den markt mit traditioneller gestaltung, ganz im sinne des heimatstils, gewichen, so wäre sein abbruch durchaus zu verkraften gewesen.

was meinst du?
Roy Batty
Mitglied

Beiträge: 133


 

Gesendet: 19:40 - 01.09.2004

Das müssen zwei verschiedene Aufnahmen des historischen Postgebäudes gewesen sein...wahrscheinlich hat man die neugotischen Fialen in den Zwanzigern abgetragen. Auf alle Fälle ist das Erscheinungsbild auf letzterem Foto eindeutig besser als die erste Version. Zu groß finde ich es nicht; dadurch, daß Giebel und Aufsätze verschiedener Größe dem Gebäude eine gewisse Rhytmik verleihen, wird ein sperriger Eindruck vermieden. Natürlich ist die kleinteilige Bebauung authentischer, aber das Postgebäude (der zwanziger) eben harmonischer.
Zudem fand lokale, norddeutsche Bautradition Verwendung, während die meisten der vorgherigen Häuser klassizistische bzw. barocke Züge trugen.


Übrigens kann ich mir eine solche längliche, gegliederte Bauform, ornamental dem Schneiderbarock angeglichen, sehr gut als Ersatz für den Kulturpalast in Dresden vorstellen.

Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 20:30 - 01.09.2004

...aber für lübeck waren und sind die dimensionen zu groß. und auf diese haben sich die modernisten schließlich geschickt stützen können.

die kleinteilige bebauung war nicht nur authentischer, sondern auch behaglicher oder harmonischer, wenngleich das postgebäude eine gliederung aufweist. problem bei diesem war zudem auch die symmetrie, welche die göße der baumasse noch unterstrich.

wo siehst du das problem bei den klassizistischen und barocken häusern?

meinst du mit "norddeutscher bautradition" nicht vielmehr die gotischen Formen unter verwendung von ziegeln, die dir beim anblick von rathaus und postgebäude als solche auffällt...?

dabei stehen barocke und klassizistische formen genauso wenig im widerspruch zur norddeutschen bautradition wie gotische formen.
(ein von der gotik geprägtes geschichtsbild norddeutscher architektur ist wohl auch sehr mit dem historismus verbunden. die wirklichkeit war - siehe z.b. lübeck - eben auch eine andere)

das besondere und augenscheinliche an regionaler/ örtlicher, traditioneller architektur war und ist doch, dass mit dem baustil erst durch das jeweilige material ganz eigenständige und landschaftstypische formen entstanden sind.

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