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Autor Mitteilung
H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


Gesendet: 06:15 - 23.08.2003

Der alte Stadtkern von Berlin war reich an Kirchgebäuden der unterschiedlichsten Epochen und Konfessionen. Vom späten Mittelalter bis in die Neuzeit prägten sie das Bild der Stadt. Vielfach umgebaut oder durch Neubauten ersetzt, waren sie neben dem Glauben auch Ausdruck eines städtischen Stolzes.

Ich möchte hier nicht alle verlorenen Bauwerke aufführen. Davon gibt es eine große Zahl - wie z.B. den im 18. Jahrhundert abgebrochenen gotischen Dom oder die Ende 19. Jahrhundert verschwundene Gertraudenkirche auf dem Spittelmarkt. Viele Kirchgebäude im 20. Jahrhundert hatten Vorgängerbauten. Es geht hier um Kirchen, deren mehr oder weniger gut erhaltenen Baulichkeiten nach den Zerstörungen des zweiten Weltkrieges einer ideologisierten Bulldoser-Politik zum Opfer fielen. Karl Marx kontra Martin Luther. Bauwerke, deren Türme und Kuppeln die Skyline von Berlin beherrschten und der Stadt ihre physische Identität gaben - die heute aus dem Stadtbild verschwunden sind. Gegenüber Prag oder München ist Berlin eine armseelige Stadt. Marx ist weiterhin allgegenwärtig - als Denkmal in der einplanierten Altstadt - und im gesamten Stadtbild. Seine Theorien gipfelten in dem Hass auf den Stein. Dieser Hass schlug der Stadt eine wohl nie mehr heilende Wunde.

Der Verlusst der Türme und Kuppeln macht auch deutlich, wie unfähig die Moderne ist, einer über Jahrhunderte gewachsenen Stadt eine neue Identität aufzusetzen. Die Gebäude fehlen einer 766 jährigen Stadt. Das noch Vorhandene ist nur ein schwacher Abglanz - - über einen Erhalt oder die Rekonstruktion der Häuser wären kommende Generationen dankbar gewesen.

Nach 1945 verlorene Kirchen des alten Stadtkerns von Berlin

Petrikirche (Pfarrkirche des alten Cölln) (Abriss 1960)

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Erasmuskapelle im Schloß (Abriss 1950)

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Schlosskapelle (Abriss 1951)

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Garnisonkirche (Abriss nach 1948)

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Drorotheenstädtische Kirche (Abriss nach 1960)

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Dreifaltigkeitskirche) Friedrichstadt (Abriss Jahr??)

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Bethlehemkirche (Friedrichstadt)(Abriss 1960)

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Luisenstadtkirche (Abriss Jahr??)

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Französische Kirche (Klosterstraße)(Abriss Jahr??)

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Georgenkirche (Alexanderplatz) (Abriss 1950)

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Markuskirche (Stausberger Platz) (Abriss 19??)

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Andreaskirche (Ostbahnhof) (Abriss 19??)

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Jerusalemkirche (südl. Friedrichstadt) (Abriss nach 1954)

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Einzig an der Stelle der kriegszerstörten Jerusalemkirche gab es einen Nachfolgebau - weil im damaligen Westberlin (Kreuzberg) gelegen. Da der alte Stadtkern nach dem Krieg hauptsächlich im stalinistischen Ostberlin lag, war das Schicksal so vieler Großkirchen besiegelt.

Bei einer Frage nach Rekonstruktion fallen mir die Dorotheenstadtkirche (Da der Platz vor der heutigen US-Botschaft noch unbebaut ist) und die Dreifaltigkeitskirche ein. Auf dieser Ecke als Event-Hall gut vorstellbar.

Habe ich eine vergessen? Zur Englischen Kirche am Monbijou-Park kein Material gefunden.
mathias
Senior-Mitglied

Beiträge: 315


 

Gesendet: 15:24 - 23.08.2003

Sehr gut, zu zeigen, wieviele stadtbildprägende Kirchenbauten in Berlin auch nach den Kriegszerstörungen noch vernichtet wurden!
Dabei waren diese Gebäude über viele Generationen hinweg eng mit dem Leben der Bürger verbunden: dort wurden sie getauft, haben geheiratet und manche wurden dort auch begraben. Schon deshalb ist es - auch gegenüber den eigenen Vorfahren - ungeheuerlich, Kirchenbauten einfach in die Luft zu sprengen.
An diese Bauwerke sollte auf alle Fälle erinnert werden. Baugeschichtlich besonders wertvolle Kirchen wie die Dreifaltigkeitskirche oder die beiden Kapellen im Schloss sollten vollständig wiederhergestellt werden.

patrick81
registriert

Beiträge: 8


 

Gesendet: 20:47 - 23.08.2003

Das ist echt eine Schande was die damals gemacht haben!!

Es wurde soviel abgerissen das man das ganze schon in Gruppen sortieren muss: Kirchen, Bahnhöfe, Großkaufhäuser, Regierungsbauten, "Normale" Häuser,...

Ich bin auf jedenfall für die Wiederherstellung einiger besonders schönen Kirchen wie zB Jerusalemkirche, Andreaskirche, Dreifaltigkeitskirche, Bethelemkirche und vor allem Petrikirche. (eigentlich alle) Bei diesen müsste es ja prinzipiell möglich sein weil auf den Flächen ja nichts steht. Natürlich ist das eine Riesenaufgabe aber ich denke wenn der Ball einmal ins Rollen gekommen ist (durch die Kommandantur, die Bauakademie, das Schloß und Potsdam) wird man hoffentlich auf den Geschmack kommen. Wo eine Rekonstruktion vorerst zu teuer ist sollte man wenigstens im Boden die Stelle mit Plastersteinen markieren und Informationstafeln aufstellen und beim Bau mit dem Turm anfangen.
H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 21:14 - 23.08.2003

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War das eine Skyline?!!


Von der Kirche am Schloss Monbijou doch noch ein Foto gefunden. Sie wurde mit dem Schloss abgerissen. Diese Schlossanlage mit Nebengebäuden verdient mit Recht den Namen "Mein Kleinod".

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Wir können nur von Glück reden, dass der Banause Ulbricht nicht so lange gelebt hat wie seine Frau - denn sonst wäre diese traurige Liste um einiges länger.

Für unzählige Generationen waren die Kirchen der Lebensmittelpunkt - schon deswegen vergriffen sich die Stahlinisten an diesen den Menschen heiligen Steinen. Sie sollten ihrer roten Fahne folgen und Marx anbeten. "Habe keine anderen Götter neben mir!" Diese schlimme Zeit nach 1945 hat uns sehr viel Kostbares genommen.

Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 02:20 - 24.08.2003

ich muss ja ganz ehrlich gestehen, dass ich kein besonders gläubiger mensch bin, aber ich sehe das gewicht der religion in allem, was wir tun.
selbst als atheist würde ich niemals eine kirche abreißen. für diese schande gehört man posthum gesteinigt.
ja, ich bin dafür, die wichtigsten berliner kirchen wieder aufzubauen.

es tut einfach nur weh, wenn man sieht, wieviel historisch und kulturell wichtige substanz vernichet wurde!
alles aus absicht!
wider der zerstörung, wider den wahn.

Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 02:25 - 24.08.2003

ich hatte ja vor längerem ein farbbild des schlosses monbijou gepostet: dieses schlos muss wiedererichtet werden.
H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 04:35 - 24.08.2003

Auch dir als Atheist dürfte ethisches Handeln nicht fremd sein - das heißt im Einzelnen: Ehrfurcht zeigen vor der vergangenen Welt und den Gräbern unserer Ahnen. Man durfte nicht einfach diese Kirchen ersatzlos aus der Stadt heraussprengen.

Im Westteil der Stadt ist man da etwas sensibler herangegangen. Auch wenn das Ergebnis oft sehr kurios wirkt, wie z.B. die Emmauskirche:

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Man hat es wenigstens versucht!
H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 23:56 - 24.08.2003

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Andreaskirche haben zwei Bauwerke die Zeit der Zerstörungswut "überlebt".

Die Michealkirche im Ostteil der Stadt: Da das Bauwerk im Schatten der Berliner Mauer lag, war der Platz wohl unbedeutend für die DDR-Hauptstadt-Macher. So konnten der Turm über der Vierung und der Chor wieder hergestellt werden.

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Und die Thomaskirche. Von der Andreaskirche durch die Spree und von der Michaelkirche durch den Luisenstadtkanal getrennt - lag sie damals im freien Teil Berlins - also am sicheren Ufer.

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Der Todesstreifen der Berliner Mauer war einmal der Luisenstadtkanal.

Es ist, Gott sei Dank!, nicht alles verloren.

Es wäre zu wünschen, dass die eine oder andere kulturell bedeutende Kirche rekonstruiert wird. Z.B. die Dreifaltigkeitskirche in der Friedrichstadt. Wirkungsstätte von berühmten Männern wie dem Theologen Schleiermacher.

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Nur haben wir eine schlechte Zeit für Kirchen-Rekonstruktionen in Berlin. Die Gemeinden schrumpfen und vorhandene Großkirchen werden zweckentfremdet um deren Erhalt zu sichern.

Keine gute Zeit für religiöse Bauten in Berlin. Eine neue Dreifaltigkeitskirche wäre zwar in erster Linie Symbolik - nur damit tuen sich die Berliner schwer.

Neue Gotteshäuser im großen Stil sind heute nur noch Moscheen wie der Neubau der Türk Sehitilik Camii Moschee am Columbiadamm - ein gewaltiges Teil mit Kuppel und Minarette.

Wer den kümmerlichen Ersatzbau der 1985 gesprengten Versöhnungskirche kennt, der weiß, was wir an Gebetshäusern des Abendlandes in Berlin erwarten können. Unsere Baukultur ist auf einem Tiefpunkt angekommen.

H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 04:13 - 25.08.2003

Neben Emmaus- Thomas- und Michaelkirche gibt es natürlich noch weitere Kirchen Altberlins, über deren Existenz wir uns erfreuen können:

Für alle Nichtberliner hier mal eine Positiv-Liste von mir


Heiliggeistkapelle (um 1300)

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Nikolaikirche (um 1230)

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Marienkirche (um 1290)

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Hedwigskathedrale (1747)

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Französischer Dom (1645/1780)

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Bildquelle: Info-germany.de


Deutscher Dom (1652/1780)

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Bildquelle: Courses.psu.edu


Sophienkirche (1712)

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Bartholomäuskirche

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Friedrichwerdersche Kirche (1830)

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Bildquelle: Courses.psu.edu


Parochialkirche (1702)

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(Die Turmspitze fehlt heute leider immer noch - dort war das Glockenspiel installiert, welches für den eingestürzten Münzturm des Schlosses gedacht war)


Klosterkirche (Ruine) (1250/1300)

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Bildquelle: Klosterruine-berlin.de


Kaiserdom (1894-1905)

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(Danke fürs Foto! )


Annenkirche (Den heute fehlenden Schul-Flügel will man in naher Zukunft rekonstruiert haben)

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Simeonkirche

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Es ist also noch ein Restbestand vorhanden!

H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 09:31 - 31.08.2003

Vor allem im Berlin des Kalten Krieges sollte der Umgang mit den Kirchengebäuden zum Mittel der politi-schen Auseinandersetzung stilisiert werden. Wurde hüben der Turm der Bauausstellungskirche im Hansaviertel als deutlicher Fingerzeig in den atheistischen Teil der Stadt gesehen, setzte man drüben mit dem Abriss der Denkmalkirche am Berliner Dom ein Zeichen gegen Feudalismus und Restauration im Westen. Fronten, die teilweise bis heute bestehen. Unter ähnlichen Vorzeichen wird derzeit der Aufbau der Potsdamer Garnisonskirche diskutiert.

(Architektur Fachmagazin 07/01)


Es hat wohl keiner gemerkt: hatte ich doch die Denkmalkirche ganz vergessen. Den Apsidenähnlichen Anbau des Kaiserdoms, dessen Abriss ein weiteres Politikum war.

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Auf dieser Luftaufnahme gut zu erkennen: Die Denkmalkirche

http://people.freenet.de/monarchisten/kaiserreich/dom.htm



http://www.brandenburg.de/land/stk/reden/2000/0204.htm

Ein interessanter Aspekt von Stolpe: Palast der Republik rettet Kaiserdom.


Grundriss vom Kaiserdom mit Denkmalkirche

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Neben der Denkmalkirche fehlt auch die Kaiserdurschfahrt auf der rechten Seite. Die alte Aussenkuppel wurde zudem durch einen kümmerlichen Neubau ersetzt:

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H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 09:37 - 31.08.2003

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Bildquelle: Funktaxi-berlin.de

Der Kaiserdom heute. Der Platz der Denkmalkirche ist leer.


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