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Autor Mitteilung
Antiquitus
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Beiträge: 943


Gesendet: 14:06 - 05.06.2003

Und er gelobte, eine Kirche zu errichten

Sensation in Magdeburg: Archäologen haben endlich den Dom Kaiser Ottos des Großen gefunden

von Dankwart Guratzsch


Mit dem Fund dieser Grabgruft sollen die Überreste des Doms von Kaiser Otto dem Grossen (912-973) entdeckt worden sein
Noch weiß niemand genau, was da im Boden von Magdeburg tausend Jahre unerkannt geschlummert hat - aber das ist nun gewiss: Die alte Kaiserstadt war noch weit prächtiger, als man es sich bisher vorgestellt hat. Ein für die früheste deutsche Zeit riesiges Bauwerk kommt ans Licht, und es gibt unzählige Rätsel auf. Viele Mutmaßungen über die glanzvolle Zeit Kaiser Ottos des Großen müssen korrigiert werden. Mit welchen Konsequenzen, ist noch unabsehbar.


Dabei ist der Fund noch nicht einmal neu. Was die Magdeburger Archäologen in helle Aufregung versetzt, ist genau genommen schon vor fast 40 Jahren entdeckt, aber bisher offenbar falsch gedeutet worden. 40 Meter neben dem hochaufragenden gotischen Dom, am Rande des weiten, leeren Domplatzes, waren schon zu DDR-Zeiten Fundamente eines ungewöhnlich großen, 2000 Quadratmeter bedeckenden Gebäudes gefunden worden. Man vermeinte, auf Ottos Königspfalz gestoßen zu sein - also auf das zentrale weltliche Bauwerk seiner Lieblingsresidenz. Die Verwunderung über den rätselhaft verschnörkelten Grundriss der Anlage beflügelte die Ausgräber zu fantastischen Kombinationen. Ein "missing link" der mittelalterlichen Architektur schien gefunden, das zwischen den karolingischen Großbauten nach antikischem Vorbild und den deutschen Burgen des Mittelalters zu vermitteln schien. Aus den Grundrissen rekonstruierte man auf dem Zeichenbrett einen Bau von architektonischer Einmaligkeit und auffallend sakralem Erscheinungsbild, den man als "Ausdruck des imperialen Anspruches Ottos I." (Babette Ludowicki) deuten zu können glaubte.


Aber nun ist alles anders. Die Ausgräber von 2003 meinen sicher zu sein, dass sie nicht den "Palast", sondern eine gewaltige Kirche vor sich haben. Mit 41 Meter Breite soll sie die größte ihrer Zeit nach dem Kölner Dom gewesen sein. Und damit gewinnt die Riesengestalt des großen Kaisers Otto neuen rätselhaften Glanz. Denn diese Kirche stand in Magdeburg nicht allein. Auf dem Plateau hoch über dem Steilufer der Elbe ragte nur wenige Meter neben ihr ein zweites großes Kirchenbauwerk auf, dessen Umrisse bei Grabungen innerhalb des gotischen Doms ermittelt werden konnten. Das Mittelschiff dieser Basilika hatte eine lichte Weite von elf Metern und war flankiert von zwei fünf Meter breiten Seitenschiffen. Damit entsteht eine Situation, wie sie an keinem zweiten Ort des frühen Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bestanden haben kann. An der Ostgrenze des Reiches, an jenem Ort, von dem die Missionierung großer Teile Mitteldeutschlands und Osteuropas ausgegangen ist, grüßten von der hohen Kante des Elbhangs aus zwei mächtige steinerne Kirchen in die slawischen Lande und kündeten bis zum Horizont von der neuen befreienden Heilslehre und der Schutzmacht des Reiches.


"König Otto erwarb und errichtete die Burg (Magdeburg) um der Gnade ewiger Wiedervergeltung willen zum Heile unseres gemeinsamen Vaterlandes", schreibt der Chronist Thietmar von Merseburg. Am 21. September 937 bekräftigte der König dieses Vorhaben, indem er an diesem Ort dem heiligen Moritz ein Kloster stiftete. Schon am Gründungstage übertrug ihm Otto zahlreiche Besitzungen und begründete damit einen Reichtum des Klosters, mit dem wenige Klöster in deutschen Landen mithalten konnten. Im heutigen Verständnis muss es ein strahlendes Staatsfest gewesen sein. Neben weltlichen Würdenträgern erschienen zwei Erzbischöfe und acht Bischöfe. Die ersten zwölf Mönche kamen von St. Maximin in Trier.

Ist mit diesem Bericht bereits die Existenz einer Kirche in Magdeburg bezeugt, so erwähnt derselbe Chronist auch die Entstehung der zweiten. Am Tage der großen Lechfeldschlacht gegen die Ungarn, so Thietmar, "demütigte sich der König vor Gott, bekannte sich allein unter allen schuldig und tat unter Tränen ein Gelübde: ... ein Bistum (zu) errichten und seine große, jüngst begonnene Pfalz zur Kirche aus(zu)bauen". Gleich nach dem Sieg über die Ungarn habe sich Otto dieses Gelübdes besonnen und "einen prächtigen Kirchenbau begonnen". Für ihn habe "der Caesar" bis aus Italien "kostbaren Marmor, Gold und Edelsteine" nach Magdeburg gebracht.


Bisher war man davon ausgegangen, dass diesem zweiten Bau die erst 20 Jahre alte Klosterkirche habe weichen müssen, dass ihre Steine in den Neubau eingebaut worden seien und dieser "prächtige" Bau 200 Jahre lang das Stadtbild als "Hauptkirche" dominiert habe. Diese Vermutung muss nun korrigiert werden. Beide Kirchen bestanden offenbar bis zum großen Brand von 1207 nebeneinander. Aber welche Kirche ist der Dom?


Bisher hatte man ihn dort vermutet, wo sich heute der großartige gotische Dom erhebt, mit dessen Bau im 13. Jahrhundert begonnen wurde. Nach den jüngsten Grabungserfolgen meint Grabungsleiter Rainer Kuhn hingegen, ihn in jener fünfschiffigen Basilika zu sehen, die mit ihrer Größe, ihren gewaltigen drei Meter dicken Fundamentmauern und ihrer "außerordentlichen Innenausstattung" zur "Ersten Liga" der ältesten Kirchen Deutschlands gehört. Grünglasierte Wandfliesen, Glasmosaiken und Marmor- und Kalksteinmosaike bestärken ihn in der Annahme, dass dies "eigentlich nur noch der Dom sein kann".


Doch auch eine andere Lesart wäre denkbar. Schon in ihrem Beitrag für den Katalog der großen Magdeburger Otto-Ausstellung 2002 hatte die Leipziger Archäologin Babette Ludowicki auf eine überraschende Ähnlichkeit der Fundamente mit jenen von St. Maximin in Trier verwiesen. Müsste es da nicht naheliegen, den von dort übersiedelten Mönchen des Moritzklosters einen entscheidenden Anteil an diesem Kirchenbau zuzugestehen, ja ihn als Klosterkirche zu identifizieren?


Artikel erschienen am 5. Jun 2003 i.d. WELT
Oliver
Senior-Mitglied

Beiträge: 491


 

Gesendet: 14:59 - 05.06.2003

Gestern hatte ich schon auf irgendeiner
Seite (Spiegel, Welt (?)) schonmal
von diesem Dom gelesen.
In diesem Artikel wurde es ein wenig
anders interpretiert.
Und zwar sollte das Grab von Otto dem
Großen früher in dem nun wiedergefundenen Dom
gewesen sein. Dieser brannte aber 1207 ab,
und man überführte das Grab von Otto
1207 in einen neu gebauten Dom.
Dieser neu gebaute Dom ist der noch heute
stehende gotische Dom von Magdeburg.

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