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Autor Mitteilung
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


Gesendet: 02:54 - 09.03.2004

Fenster - Augen des Hauses
Norimbergus
Stammgast

Beiträge: 82


 

Gesendet: 17:14 - 17.04.2004

Schösler hatte ja die Wichtigkeit der Fenster für das Erscheinungsbild eines Hauses in einem anderen Thread erwähnt und zwei Fragen aufgeworfen: „Mögen die Deutschen keine Sprossenfenster?“ und „Warum setzt der Denkmalschutz nicht die Verwendung adäquater Fenster durch?

Die erste Frage ist schon nicht sehr leicht zu beantworten. Ich glaube, gefallen tun sie den meisten schon, aber die Deutschen sind halt auch ein sehr, manchmal zu sehr praktisch veranlagtes Volk. Große Glasflächen ohne Sprossen lassen sich einfach leichter reinigen. Und dieses Argument ist nicht nur für den Unternehmer wichtig, der möglichst niedrige Unterhaltskosten haben will, sondern auch für die Hausfrau (oder den Hausmann), die (bzw. der) sich die Hausarbeit möglichst vereinfachen will. Das Gegenargument, daß auf großen Glasflächen der Dreck viel leichter auffällt als bei kleinteiligen Fenstern wird nur bedingt akzeptiert. Ein Fenster muß halt geputzt werden, wenn es dreckig ist, egal ob der Dreck auffällt oder nicht.
Allerdings hat sich die Situation zumindest im privaten Wohnbau in den letzten Jahrzehnten etwas gewandelt. Während in den sechziger und siebziger Jahren ausschließlich großflächige Fenster verwendet wurden, werden seit den achtzigern wieder vermehrt Sprossenfenster eingebaut. Jedoch wirkt sich das fast ausschließlich auf die unseligen Neubausiedlungen an den Stadträndern aus.
In Nürnberg fällt das Problem „Fenster“ übrigens nicht nur in der Altstadt auf. In der Fürther Straße im Bereich der U-Bahn-Haltestelle Bärenschanze haben sich viele Bauten des Historismus erhalten. Kaum eines hat adäquate Fenster. Die Gegend könnte ein Schmuckstück sein, wenn einige wenige Bausünden verschwinden, Notdächer wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt und vernünftige Fenster eingebaut werden würden. Und natürlich müßte der Fahrbahnverlauf wieder begradigt werden – aber das ist wieder ein ganz anderes Thema.

Zum Denkmalschutz kann ich nun gar nichts sagen. Die Gedankengänge der Denkmalschützer sind oft nicht nachvollziehbar. Unter folgendem Link (http://www.lau-net.de/altstadtfreunde.hersbruck/HZ_Text_20031220.html) ist ein Artikel über einen Nebau in der Altstadt in Hersbruck (Kleinstadt östlich von Nürnberg). Darin heißt es: Joachim Gast wunderte sich, dass für die Fenster keine Quersprossen vorgeschrieben wurden. Stadtbaumeister Lothar Grimm erklärte, dass neun oder zehn Planungsvarianten mit Dr. Matthias Exner vom Landesamt für Denkmalpflege besprochen worden seien. Der Denkmalschutz-Experte habe genau diese favorisiert. Er sei auch gegen Quersprossen an den Fenstern gewesen.. Zugegeben: Hier handelt es sich nicht um einen Altbau, sondern um einen Neubau in historischem Umfeld. Eigenartig ist die Sache aber dennoch. Übrigens: das historische Gebäude, das das Thema des Artikels ist, wurde inzwischen abgerissen. Ich war heute in Hersbruck und habe dabei einen kleinen Abstecher an die Baustelle gemacht.
Schoesler
Mitglied

Beiträge: 102


 

Gesendet: 19:54 - 17.04.2004

@Norimbergus

In Dänemark wurden in den 60er und 70er Jahren auch massenhaft grosse Fenster eingebaut. Seit etwa 10 Jahren werden sie fast alle (auf jeden Fall in Kopenhagen) erneut durch Sprossenfenster ausgewechselt. Leider werden dabei auch alte Sprossenfenster geopfert obwohl es oft billiger wäre diese zu restaurieren als durch neue zu ersetzen (die alten Fenster sind natürlich sehr solider). In D geht's wohl auch langsam besser, auf jedem Fall habe ich in Berlin und Dresden fast nur Sprossenfenster gesehen. Wie findest Du die "renovierung" des Hauses am Nürnberger Hauptmarkt? Und wieso haben die Altstadtfreunde nicht reagiert, als die alten Häuser neue Fenster bekommen haben?

MfG
Claus
Norimbergus
Stammgast

Beiträge: 82


 

Gesendet: 20:25 - 18.04.2004

Das Haus am Hauptmarkt (es handelt sich dabei um die Buchhandlung Korn & Berg, eine der ältesten Buchhandlungen Deutschlands) wirkt jetzt natürlich viel besser. Dieses Beispiel sollten sich die meisten Hauseigentümer in der Altstadt vor Augen führen, wenn sie die Fenster seines Hauses erneuern.

Der Austausch der Fenster der Häuser am Tiergärtnertor dürfte schon vor einigen Jahren geschehen sein. Zu dieser Zeit habe ich mich noch nicht sehr für Architektur und Städtebau interessiert. Ich nehme aber an, daß die Altstadtfreunde ihren Unmut sehr wohl geäußert haben, aber was sollen sie machen? Sie haben keine Vollzugsgewalt. Und ich nehme auch an, daß sie nicht vorher über diese Maßnahme informiert wurden, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt worden sind.
vmg
registriert

Beiträge: 16


 

Gesendet: 14:08 - 19.04.2004

Auch ich muss mich den genannten Thesen zu der Wichtigkeit von stilgemäßen Fenstern und Fensterrahmen. Bei mir in der Nähe -in einem Düsseldorfer Stadtteil- wurde vor einigen Jahren das Postamt (gründerzeitlicher Backsteinbau mit hübschem Giebel) saniert, dabei wurden auch die alten weißen sprossenlosen Plastikfenster gegen grüne hölzerne Sprossenfenster ausgetauscht. Die Aufwertung des Bau ist enorm.
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 14:43 - 20.04.2004

zu den gründen, die norimbergus bereits erwähnte, kommt noch ein wichtiger hinzu: das geld!
noch vor hundert jahren waren großflächige scheiben nur sehr schwer herzustellen und dementsprechend teuer. es ist also keineswegs so, dass man früher die sprossung rein aus ästhetischen motiven heraus gewählt hatte.
im laufe des 20. jh. wandelten sich die herstellungskosten (wesentlich dadurch bedingt, dass wie fast allen anderen bereichen auch, die arbeitskosten stiegen bei gleichzeitig fallenden materialkosten) und zur mitte des jh. hin war dann der punkt erreicht, an dem großflächige scheiben billiger waren als aufwändig versprosste fenster.
auch darum wurden nach dem 2. wk. sprossenfreie fenster umfänglich verbaut. sie waren eben billiger als gesprosste. das ist auch heute noch so.
da es allerdings bei vielen, vermutlich den meisten, häuslebauern im weitesten sinn auf ein paar tausend euro nicht ankommt, werden heute wieder mehr gesprosste fenster verbaut.
ganz konkret kann ich das am haus meiner eltern festmachen, das jetzt ca. 80 jahre alt ist: zuerst t-gesprosste fenster, dann ungesprosste doppelglasfenster in den 60-ern, vor wenigen jahren wieder t-gesprosste fenster.

man darf aber auch nicht vergessen, dass eben auch viele leute weder geschmack noch interesse haben, sich gedanken über fenstersprossung zu machen. viele kaufen einfach das billigste oder das, was sie von ihrem nachkriegsbau her kennen.
in solchen fällen könnte eine gewisse "richtungslenkung" durch denkmalschutzauflagen sicherlich helfen.
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 19:38 - 20.04.2004

Ganz im Sinne dieser Rubrik:

http://www.weikersheim.de/stadtrun/14_3.htm

Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 22:23 - 20.04.2004

danke für den verweis.
er bestätigt eigentlich das, was ich oben nach etwas überlegen bereits vermutet hatte.

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