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Autor Mitteilung
B. Szillis-Kappelhoff
Moderator

Beiträge: 756


Gesendet: 05:52 - 10.10.2007

Ostpreußen

Berufsname für einen meisterhaften Geiger.


* preußisch-litauisch "jegimas" = das Können

+

* prußisch "gaudesi" = Ton
* "gaudis" = wehmütig

* preußisch-litauisch "gaudeila" = der Fiedler, Spieler auf dem Gudok, einer Bauerngeige mit drei Saiten


"-gaudas" ist letzter Namensbestandteil zahlreicher prußischer und litauischer Namen:
* Austigaudis, Miligaude, Minegaude, Nipergaude
* Steinegaude, Surgaude, Swirgaude, Swagaude
* Tulegaude, Wirigaude, Wissegaude, Wissegaudine
* Gedgaudas, Žygaudas


Namensvarianten:
* Jagawde/ Jagaude/ Jogaude/ Jagutte (1386), Samland
* Jogawde (um 1400), Gebiet Insterburg
* Jagutte (um 1400), "Schalwe"
* Jagodka


Landeskunde:
Die baltische Musik klingt schwermütig und hat große Ähnlichkeit mit der Klezmer-Musik und der Zigeunermusik.

Glagau schildert das Leben in Preußisch-Litauen, also im nördlichen Teil Ostpreußens.
Über die Holzflößer berichtet er:
"Trotzdem die Dzimken buchstäblich nichts weiter als das nackte Leben besitzen, sind sie stets heiter und lustig. Scherzend und lachend, sich untereinander und mit den Vorüberfahrenden neckend, immer schwatzend verrichten sie ihre Arbeit...
Bei diesen Wachtfeuern erschallen die langezogenen wehmüthigen Rund- und Chorgesänge der Dzimken; alsbald greift einer von ihnen zur Violine oder zum Dudelsack, die Anderen fassen sich bei den Händen und springen und tanzen im Kreis herum. Der Tanz ist oft ein Solo, oft ein mimisches Gegeneinander- und Umeinanderherumtanzen von Zweien, wobei das schnelle Sichumwerfen besonders interessiert. Der Oberkörper bewegt sich wenig, aber die Füße sind in zierlichen Wendungen und Sprüngen unerschöpflich. Die im Ganzen schwächliche Gestalt des Dzimken entwickelt im Tanz alle Schönheit, deren sie fähig ist. Die Violine spielt eine hopferartige Melodie, Tänzer und Zuschauer klatschen mit schallenden Händen den Takt, der eine oder andere bricht auch wohl in ein helles Juchzen aus."


Sobald die Dzimken ihr Floß ans Ziel gebracht haben, machen sie sich zu Fuß auf den Rückmarsch.

"Sie marschiren auf der staubigen Chaussee bei der glühendsten Augusthitze, aber immer in umgekehrten Schafpelzen und dicken Filzröcken. Eine Anzahl, mit den neu erstandenen Harmonikas und Geigen bewaffnet, die sie abwechselnd während des Marsches erschallen lassen, geht vorauf, die Übrigen laufen singend und jauchzend, springend und tanzend hinterdrein. Ab und zu macht dann die Flasche die Runde; so gleicht die Schaar einem Bacchantenzug. Jeder Dzimke ist ein geborener Musiker, und seine höchste Lust sind Musik und - Schnaps."


Hier wird berichtet, dass sich deutsche Tänze langsam durchgesetzt haben:
"Zuweilen wird bei einem Jaunimmis oder Tanzvergnügen noch der Keppurinis oder Huttanz aufgeführt; dann erst kommt Seele und Leben in die wandelnden Statuen... Wenn es an Musik gebricht, sind die Tänzerinnen um eine Aushilfe nicht verlegen; sie singen dann zum Tanze. Alle Littauer sind als Natursänger wie Naturdichter bekannt. Die littauische Jugend übertrifft die deutsche in geschwinder Erlernung der schwersten Melodien; seien es weltliche oder geistliche, und man kann ihren wohlklingenden, taktfesten Gesang nicht ohne Bewegung hören. Wenn die Mädchen ihre theils erlernten, theils aus dem Steigreif gedichteten Liebeslieder und Liebesklagen singen, tönt ihre Stimme in einem weichen wollüstigen Schmelz, und derselbe Ausdruck lagert sich dann um Mund und Augen, so daß der Fremde, wenn er auch nicht ein Wort versteht, doch den Sinn erräth... Es macht einen wundersamen Eindruck, bei einer Hochzeits- oder anderen Feier, die jungen Mädchen ein Trinklied anstimmen zu hören, wie es sonst von Studenten und lustigen Zechbrüdern gesungen wird.
Bei der langen Schlußfermate auf der Dominante wird regelmäßig und nach dem Takt getrunken... Das Zutrinken wird nicht anders gehandhabt wie bei einem burschikosen Commerce. Nach der letzten Strophe ertönt das Sweiks, Sei gesund!...
Noch verwunderlicher ist´s, daß auch diese lustigen Zechlieder sich in weicher Tonart bewegen, sich wie Trauergesänge oder feierliche Choräle anlassen."

Quelle: Glagau, Otto: Littauen und die Littauer, Tilsit 1869

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