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B. Szillis-Kappelhoff
Moderator

Beiträge: 756


Gesendet: 19:20 - 26.06.2007

Ostpreußen

Stadt am Einfluss der Alle in den Pregel.

1258 Velowe
1326 Wilaw
1405 Wilouwe/ Welouwe

Quelle: Gerullis, G.: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922


* prußisch "wele" = Seele, Geister der Verstorbenen
* prußisch "welauks, welawa" = Seelenacker, Totenacker, Friedhof
* prußisch "Wele" = weiblicher Unhold
* prußisch "welet" = waschen (bei "Schreikindern" vermutete man die Ursache in der Taufe, die deshalb in komplizierten Ritualen an heimlichen Orten wieder abgewaschen wurde)


Die heidnische Naturreligion der Balten ähnelt dem japanischen Shintoismus. Alles auf der Welt hat eine Seele: Menschen, Tiere, Pflanzen, Land, Wälder, Seen und selbst Steine. Aus diesem Glauben resultiert ein tiefer Respekt gegenüber der Natur und ihren Gesetzen.

Man ging davon aus, dass jeder Mensch zwei Seelen hat, um die Verschmelzung mit dem Göttlichen einerseits und die ewige Verbundenheit mit den Hinterbliebenen darzustellen.

Die Dusin (lit. Siela) war "ein Wesen, das die Erde nicht verließ, sondern sich in Bäume, Blumen, Säugetiere oder Vögel verwandelte. Die ´siela´ entwich dem Leib eines Toten als Odem, als Atemhauch, und nistete sich sogleich in einer Pflanze, einem Tier oder Vogel ein. Zuweilen verließ sie den Mund des Sterbenden auch als Schmetterling, als Biene, Maus, Kröte oder Schlange ... In Litauen wurden Friedhofsbäume nie gefällt oder gestutzt. Denn tat man diesen Bäumen etwas an, fügte man auch den Verstorbenen etwas Böses zu."
Quelle: Gimbutas, Marija: Die Balten, Herbig München 1983 (1963 engl.)

Dieser Kult ist noch heute auf dem Friedhof in Nidden/ Kurische Nehrung zu betrachten. Viele hölzerne Stelen zeigen Kröten (Symbol der Erdgöttin) und sind mit Vögelchen verziert. Da die heidnischen Symbole vom Ritterorden verboten waren, reicherte man sie listig mit zusätzlichen christlichen Symbolen an, denn die durften ja nicht zerstört werden.

Die Wele (lit. Vele) war dagegen ein ätherisches Schattenwesen, das sich sofort zu den Göttern erhob. Aus diesem Grund beerdigte man seine Toten auf Hügeln, um ihnen den Aufstieg zu erleichtern. Da die Dusin auf dem Sandhügel wohnte, richtete man es sich dort wohnlich mit Tisch und Bank ein, um an besonderen Tagen einen Imbiß mit den Toten zu teilen. Selbstverständlich wurde der erste Schnaps der Erdgöttin Semine/ Zemina zu Ehren auf die Erde gegossen.

Als zu christlichen Zeiten die Friedhofspflicht auf umfriedeten Kirchhöfen eingeführt hatte, geschah es nicht selten, dass man nachts heimlich die Leichen wieder ausbuddelte und sie oben auf dem Hügel bestattete. Es war eine unerträgliche Vorstellung, dass die Wele in der Einzäunung gefangen gehalten wurde, zumal dann zu befürchten war, dass sie herumgeisterte und Unheil anrichtete.


Landeskunde:
Es gab etliche prußische Wehranlagen im Gebiet Wehlau:
- Wehranlage am rechten Pregleufer bei Gut Langendorf, vom Orden ausgebaut
- Schlossberg 300 m östlich vom Gut Gauleden an der Nordspitze des Mühlenteichs
- Schlossberg, 400 m östlich von Groß Keylau, 500 m westlich der Deime
- Schlossberg, 900 m südöstlich von Lischkau am linken Deimeufer
- Schanze, 300 m nördlich von Vorwerk Große Schleuse an der Deime, 900 m nordöstlich von Moterau
- Wehranlage, 700 m südöstlich von Gut Hubenhof am ausgetrockneten Teich, westlich von Tapiau
- Wehranlage, 600 m südwestlich von Vorwerk Pelohnen, 300 m vom Pregel
- Wehranlagen im Garten der Provinz-Heilanstalt Allenburg, 1 km östlich von Paterswalde
- Schlossberg, 800 m nordöstlich von Vorwerk Redden an der Alle
- Wehranlage Hohenall, 800 m südwestlich von Potawern an der Alle
- Wehranlage in Dettmitten an der Alle, Erbbegräbnis
- Feste zwischen Trimmau und Schallen an der Alle
- Silberberg an der Alle, westlich von Klein Nuhr
- Wallburg Glumsberg bei Wehlau am Pregel
- Schlossberg, 800 m nördlich von Tablacken
- Schlossberg, 600 m östlich von Kuglacken

Quelle: Salemke, Gerhard: Lagepläne der Wallburganlagen von der ehemaligen Provinz Ostpreußen, Gütersloh, 2005


Die Burg der Nadrauer wurde vom Deutschen Orden übernommen, jedoch 1281 von Sudauern zerstört. 1336 entstand die Stadt Wehlau: ein Gottfried Hundertmark erhielt den Gründungsbrief vom Ordenskomtur Heinrich Dusmer, mit Erlaubnis des Hochmeisters Dietrich von Altenburg.

Nachdem die Stadt 1347 von Litauern unter Kynstut/ Kestutis dem Boden gleich gemacht worden war, ließ Winrich von Kniprode eine neue befestigte errichten. Aus dieser Zeit stammt auch die Kirche, eine der ältesten und schönsten der Provinz.

1454 trat Wehlau dem Preußischen Städtbund bei und wurde vom Orden belagert. Die neu aufgeworfenen Schanzen nützten nicht viel, denn die Stadt wurde ausgehungert.
1657 wurde Preußen im Wehlauer Vertrag der Alleinherrschaft des Großen Kurfürsten übergeben.
Herzog Albrecht soll Wehlau als seine "liebe Rose" bezeichnet und sich mit dem Gedanken getragen haben, hier statt in Königsberg die Universität zu errichten.

Wehlau wurde wegen seiner niedrigen Lage bis zum Bau einer Pregelbrücke 1880 oft von Überschwemmungen heimgesucht.
Weithin berühmt war Wehlau wegen seines sommerlichen Pferdemarkts.

Quelle: Hermanowski, Georg: Ostpreußen Lexikon, Adam Kraft Verlag Mannheim 1980


Redensarten:
* Wer nicht wagt, kommt nicht nach Wehlau.
(Die alte Wehlauer Brücke galt als äußerst gefährlich, besonders an Tagen des Wehlauer Sommermarktes)

* Wer zuviel wagt, kommt nach Tapiau.
(Wegen der dortigen Besserungsanstalt)

Quelle: Frischbier, H.: Preußisches Wörterbuch Ost- und Westpreußische Provinzialismen, Bd.1,2, Berlin 1882-82

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