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Autor Mitteilung
B. Szillis-Kappelhoff
Moderator

Beiträge: 756


Gesendet: 13:04 - 18.05.2007

Ostpreußen, Niederlande

A. Kurschat stellt den Namen Gisevius in Zusammenhang mit dem litauischen Familiennamen Gižas. Gemeint ist hier jedoch
*Eduard Gisevius (11.11.1798 – 9.5.1880), „begeisterter Freund der Litauer“, (seine Biografie erschien in Tilsit).

Kurschat verweist in diesem Zusammenhang auf die litauische Kreisstadt Gižai.
*litauisch „gyženti“ = plagen, quälen
* „gyži“ = eigensinnig, launenhaft, wählerisch, sauertöpfisch
* auch im Sinne von „liguistas“ = schwäch, kränklich, leidend
*„gižas“ = säuerlich
vgl. dazu
*prußisch „gisijs“ = verbitterter launischer Mensch


Vanagas leitet die Namen Gisas, Gysas von deutsch Giso, Giß, Giehse, Gieße ab.
Dagegen leitet er Gižas litauisch ab und die polnischen Namen Giza, Gizka, Gizycki, Gizyn, Gizynski polnisch ab:
* polnisch „giza“ = unsauber (im weitesten Sinne, was sich auch auf morastiges Gebiet beziehen kann)


Nach einer Familienchronik von Hans von Gisycki soll die Familie von der bekannten polnischen Adelsfamilie von Gisycki abstammen. Forstreuter gibt in seinem Aufsatz Ungereimtheiten zu bedenken.

Quelle:
* Forstreuter, Kurt: Der Ursprung der ostpreußischen Familie Gisevius, APGNF, Bd.4, Verein für Familienforschung in Ost-und Westpreußen Hamburg, S. 113 - 115

Zitate:
"Mißtrauisch mach von vornherein die Namensform. Daß man Namen, besonders von Gelehrten, früher gern mit lateinischen Endungen versah, kommt in Deutschland und Polen vor. Aber dabei beachtet man gewisse Regeln. Polnische Namen auf -icki wurden mit der Endung -icius versehen ... Aus Gisycki müßte also Gisycius werden. Die Endungen -ovius oder -evius entsprechen dagegen einem polnischen Namen mit Endung -owski oder -ewski ... Gisevius ist also von Gisewski abzuleiten. Ein Spößling der bedeutenden Familie Gisycki hatte bestimmt kein Interesse, seine Abstammung durch eine ungewöhnliche Endung unkenntlich zu machen.
Ausgehend von diesen Bedenken, stößt man auf eine schwache Stelle in der Ahnentafel. Stammvater der ostpreußischen Gisevius soll ein Pawel von Gizycki sein, der, um 1580 geboren, von Herzog Albrecht (1525 - 1568 ) 64 Hufen im Kreise Oletzko, 40 Hufen im Kreise Lyck erhalten habe ... Aber von dieser Verleihung findet man in den Akten keine Spur."

"Auch der polnische Historiker W. Ketrzynski, der sich bemüht hat, das Polentum in Ostpreußen festzustellen und jeden polnischen Namen zu verzeichnen, nennt keinen Gizycki in seinem Werk: ´Über die polnische Bevölkerung im ehemaligen Ordensland Preußen´. (Polnisch. 1882)"

Forstreuter stellt im weiteren Verlauf aktenkundige Namensträger von Gizycki, Gissevius, Gisovius, Gusovius vor und wendet sich einem anderen Zweig der Familie Gisevius zu, die nicht im Zusammenhang mit obiger Ahentafel steht. Er kommt letztlich zu dem Schluss:

"Es ist die Linie von Michael "Gizycki", Pfarrer in Wielitzken. Er ist historisch, etwa 1600 geboren ... Über seine Herkunft schreibt er selbst, als er sich als Kaplan in Wielitzken 1631 (vorher war er dort Schulmeister) um zwei Zinshufen bemüht, die sein Vater hinterlassen hat. Diese Hufen liegen im Dorf Giesen, Kreis und Amt Oletzko. Seine Unterschrift ist Michael Gyszovius. Hier ist es mit den Händen zu greifen, daß seine Familie mit dem Ortsnamen Giesen zusammenhängt. ... In Giesen erhielten am 25. Juli 1553 die Brüder Woiteg und Stenzel zusammen 4 kölmische Hufen zum Schulzenamt. Von einem dieser Brüder stammt wohl der Pfarrer ab."

"Für dies Giesen, Kreis Lyck, liegen mehrere Urkunden vor, die erste von 1508, in der der Ortsname noch garnicht genannt wird. Der Ort ist neu. Zwei Bauern Matz und Niclas erhalten 4 Hufen; der Familienname fehlt, wie damals oft bei Bauern; bei Adligen schon damals kaum. Aber in einer Urkunde von 1523 wird der Familienname genannt: ´Mathey Gisa´; (in einer anderen Abschrift der Urkunde Gische geschrieben). ... Der Name Giza kommt in Polen vor, so auch im polnischen biographischen Wörterbuch. Mit den Gizyckis hängt er kaum zusammen; eher mit dem deutschen Giese."

Namenvarianten:
* Gižas (1376), Litauer im Kreis Tilsit
*Giese, Giesze, Gischas, Gießas, Gischus, Giszas
*Gizus, Gizas, Gizzas, Gizze, Gižas

Ortsnamen:
*Gysyein (1376), Gischainen Krei Mohrungen
*Gisseniten (1473), bei Uderwangen Kreis Preußisch Eylau
*Gižai, Kreisstadt in Litauen
* Lötzen: nach 1945 polnisch Gizycko

Berühmter Namensträger:
*Eduard Gisevius (11.11.1798 – 9.5.1880), „begeisterter Freund der Litauer“ (seine Biografie erschien in Tilsit).

* Gustav Gisevius (1810-1849), Namengeber des polnischen Namens für Lötzen: Gizycko
* Preußischer Pfarrer und Lehrer, der sich für die Bewahrung der masurischen Kultur engagierte, Gründer der ersten weltlichen Zeitschrift Masurens, nachträglich von der polnischen Masurenpropaganda zum "Aktivisten im Kampf für das Polentum Masurens" erhoben.

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