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Autor Mitteilung
Philon
Stammgast

Beiträge: 90


Gesendet: 10:51 - 29.09.2004

Ein schönes Beispiel dafür, wie sehr unsere Feuilletonisten- und Architekten-Clique in Deutschland im Gegensatz zu Menschen in anderen Ländern noch von einer bestimmten Ideologie verblendet sind, liefern die Lobeshymnen, die derzeit in der einschlägigen Presse (NZZ, Süddeutsche, Berliner Zeitung, Tagesspiegel etc.) auf Egon Eiermann anläßlich dessen 100. Geburtstag gesungen werden.

Zitat: Demokratische Architektur und Einrichtungskunst muss leicht, elegant, zierlich, gläsern sein, modern und materialorientiert. Also so, wie Egon Eiermann entwarf, der heute vor 100 Jahren geboren wurde und ohne den die deutsche Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts nicht zu schreiben ist.

Besonders gelobt wird dann immer gerne das Gebäude der Deutschen Botschaft in Washington:
[Link zum eingefügten Bild]

Welch ein Kontrast zur Meinung der Amerikaner zu diesem Gebäude. Als ich im Sommer zwei Wochen im politischen Washington unterwegs war, lautete die Standardauskunft dazu in etwa: wir mögen Deutschland ja, aber die Deutsche Botschaft sei leider "the ugliest embassy of Washintgon". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 11:00 - 29.09.2004

das ist gut nachzuvollziehen. handelt es sich hier doch um ein gesichtsloses allerweltgebäude ohne charme und schönheit. eigentlich ein typisches "das olle bürogebäude um die ecke".
in einem anderen faden hatten wir schonmal das thema botschaften, mit dem ergebnis, dass die neugebauten deutschen zu den schlechtesten gehören und eine schande für unser land sind. immerhin sollen diese gebäude uns alle repräsentieren (und werden, nicht ganz unwesentlich, auch mit unserem geld gebaut).
Clint____Eastwood
Novize

Beiträge: 36


 

Gesendet: 11:44 - 29.09.2004

Ich habe auch leider den Faden (neudeutsch "Zrett", jaja ) nicht wiedergefunden, in welchem es um die Zerstörung der Sichtachse in München ging.
Jedenfalls ist gibt es heute einen großen Artikel in der FAZ, in welchem Herrn Jahns "Meisterstück" abgebildet ist:
zwei große, oben abgeschrägt vollseitig verglaste Scheiben, das Ganze kleingerastert.
Der Blick flutscht einmal drüber und das war es dann.
Das von dem Architekten, der immerhin das Messehochhaus in Frankfurt gebaut hat.
Auch wenn Sie mich nie hören werden, schämen sie sich Herr Jahn, das hätte der Architekt des S-Bahn-Wartehäuschens aus Wanne-Eickel-Süd besser hinbekommen.
Oliver
Senior-Mitglied

Beiträge: 491


 

Gesendet: 11:46 - 29.09.2004

Eiermann hat so ziemlich die schlechteste
Architektur des Abendlandes hervorgebracht.
Sein Problem war ja, daß er in der
Nazizeit ein Stararchitekt war. Seine
Industriebauten haben ihn berühmt
gemacht. Aus irgendeinem Grund scheint
er dann nach dem Krieg seine Industrie-
lagerhallenarchitektur auch als
Büro- oder Repräsentationsgebäude
verwendet zu haben.
Harmonica
Mitglied

Beiträge: 117


 

Gesendet: 11:53 - 29.09.2004

Gibts den Botschafts-Thread noch? Oder wurde der auch "gesäubert"? Da waren sogar einige positive Beispiele deutscher Botschaftsgebäude dabei - wenn ich mich recht erinnere sogar einige neueren Baudatums.

Wenn man sich aber in Berlin einige neue Botschaftsgebäude anschaut, dann siedeln die sich auf ähnlich niedrigem Niveau an wie die deutschen Botschaften im Ausland.
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 12:14 - 29.09.2004

@harmonica
Den Botschafts-Thread habe damals ich angelegt, er wurde aber von unserem "Fachmann für Säuberungsmaßnahmen" ebenfalls entsorgt...

Ich hab aber glaube ich, noch einige Stichpunkte zu Hause und füge den Thread sobald wie möglich wieder ein.

Grüße
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 12:30 - 29.09.2004

PS: Interessantes Thema, @philon!

Vieles besitzt im Ausland eine größere Selbstverständlichkeit - gerade Fragen der Ästhetik werden da viel offener und ehrlicher diskutiert.

In Deutschland sind solche Diskussionen immer noch so "politik-/vergangenheitsbelastet", da gerät die Sache an sich leicht in den Hintergrund. Der hässliche Eiermann-Anbau wird dann offiziell eben nicht als hässlicher Klotz bezeichnet, sondern muss als Sieg der Demokratie über den preussischen Militarismus herhalten. (Gähn...das er trotzdem einfach abstossend aussieht, zählt nicht)

Wir Deutsche hinken da immer noch ganz schön hinterher, finde ich.

Wann verbindet man Demokratie und Menschenrechte endlich wieder mit Ästhetik?

Manchmal glaube ich, die Verschmelzung der Begriffe "Demokratie" mit "kaltem, nüchternen Stahl/Glas/Beton" im heutigen Sprachgebrauch, ist alles eine Verschwörung von ewigen Gesellschaftsutopisten, seien sie von rechts oder links kommend, die uns unsere hart erkämpfte Demokratie madig machen wollen...
Christian
Mitglied

Beiträge: 114


 

Gesendet: 12:42 - 29.09.2004

Ist Ästhetik an sich nicht auch ein Menschenrecht?
Und ist die Demokratie nicht die höchste Form der politischen Ästhetik?
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 12:50 - 29.09.2004

@christian
Genau! Und gerade deswegen misstraue ich vielen Verantwortlichen bei Bund, Ländern oder Kommunen, die der Bevölkerung mit ihren absolut dogmatischen Grundsätzen das Recht auf Reko regelmäßig verweigern.

Solche Leute sind mir nicht nur wegen der ablehnenden Haltung zum Thema "Reko" unsympathisch, sie sind für mich auch keine guten Demokraten. Ehrlich, der Bereich der Gesellschaft der die Kunst im öffentlichen Raum betrifft, hat für mich viel mit Diktatur und wenig mit Demokratie zu tun.
Weißer Wolf
Senior-Mitglied

Beiträge: 463


 

Gesendet: 14:10 - 29.09.2004

Genau Jürgen und Christian, an dem Punkt gehört diese Diskussion in den Thread "Gesellschaft, Politik und Architektur".

Ästhetik ist ein Menschenrecht. Architektonische Ästhetik, so auch die persönliche Ästhetik mittels Schönheits Operationen. Menschen, welche dagegen sind, sind sehr intolerant und haben weniger das Wohl und die Sehnsucht der Menschen im Kopf als ihren idoelogischen Willen durchzusetzen was sein darf und was nicht sein darf. Dies ist in der Tat mit einer Diktatur zu vergleichen.

Und ich glaube auch so langsam, dass die Radikalen, links wie rechts, die Demokratie madig machen wollen, und diese mit kalten Stahl und Betonklötzen gleichsetzen. Natürlich ist das nicht bewiesen aber ich könnte es mir denken, dass dem so ist.

Aber wie mir scheint hast du diese Sicht deinerseits geschrieben, weil ich im Thread "Gesellschaft, Politik und Architektur" darüber geschrieben habe ? Es kommt mir so vor als hättest du etwas von mir gelernt, lieber Jürgen . Freut mich :).




Radikalismus und Fundamentalismus sind niemals eine Lösung ! Es lebe die westliche Freiheit ! Lang lebe die Demokratie !
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 14:15 - 29.09.2004

@wolfi
ja freilich - dazu bist Du doch für uns da, oder?

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