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Autor Mitteilung
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


Gesendet: 21:40 - 08.09.2004

Nachrichten aus dem architektonischen Wachkoma

Der Bund will den Architekten eine Nationale Stiftung Baukultur spendieren. Doch die verspielen das Angebot durch Knauserigkeit

Von Hanno Rauterberg

Hoch war die Hoffnung und groß der Tatendrang, damals, vor zehn Monaten, als auf einem Konvent in Bonn die Nationale Stiftung Baukultur auf den Weg gebracht wurde. Nicht länger sollte die Architektur nur eine Sache der Fachästheten sein, endlich wollte man aus ihr eine Massenbewegung machen, etwas ganz Alltägliches, fest verwurzelt im öffentlichen Bewusstsein. Das war der Plan, vorangetrieben vor allem von Karl Ganser, einem der Initiatoren der Stiftung. Und weil er und seine Mitstreiter auf viel Geld vom Bund spekulierten, vier bis fünf Millionen jährlich, schien es nur recht und billig, dass auch die Architekten und Bauingenieure etwas beisteuerten – 100 Euro von jedem, als Zeichen der Aufbruchbereitschaft. Per Überweisungsformular sollte über Sein oder Nichtsein der Stiftung abgestimmt werden, das war Gansers Wunsch.

Heute, rund vier Monate nach dem Spendenaufruf, ist die Hoffnung geplatzt: Gerade mal ein Prozent der Architekten hat die symbolische Summe überwiesen. 99 Prozent stehen blamiert da, als ewige Nörgler, die mahnen und warnen, die von Medien, Schulen und Politikern verlangen, sie sollten sich gefälligst der Baukultur annehmen – und die selbst nicht mal 100 Euro dafür übrig haben. Lethargisch werkeln viele vor sich hin, unpolitisch, desinteressiert, von der Konjunkturkrise gebeutelt. Und wenn sie träumen, dann allenfalls von einer Bundesauftragsstiftung.

Aber wer weiß, vielleicht hat das Spendendesaster auch etwas Gutes. Vielleicht kann die Stiftung nun viel klarer über ihre Ziele nachdenken – ohne die Einflüsterungen von Architekten, die zwar gern von Baukultur sprechen, in Wahrheit aber nur wollen, dass die Welt endlich wie in ihren Fachzeitschriften aussehen soll, bauhausstreng und kubisch-stählern. Baukultur ist für sie nur ein anderes Wort für Architektenkultur, für Häuser, die den eigenen Idealen genügen. Dabei meint der Begriff nicht das Gebaute, nichts, was sich fotografieren und vermarkten ließe. Schließlich ist Kultur kein Objekt, sondern eher eine Geistesverfassung.

Wie es um diese Verfassung eigentlich steht, wie das öffentliche Bewusstsein für Architektur beschaffen ist, darüber weiß man nur wenig – und folglich läge hier eine der ersten Aufgaben der Baukulturstiftung. Stimmt es denn wirklich, dass die meisten Menschen im architektonischen Wachkoma vor sich hin vegetieren? Warum florieren dann aber die Baumärkte? Und weshalb gibt es mittlerweile 37 Wohn- und Einrichtungszeitschriften, Tendenz steigend? Die Leute haben offenbar sehr wohl Geld und Sinn für Gestaltung. Und die Frage ist nur, wie man diesen Sinn aus den Wohnungen und Heimwerkerkellern herauslenkt, wie man das Interesse an Tapeten und Armaturen in ein Interesse an der Stadt und am Gemeinwohl verwandelt.

Gelingen kann eine solche Verwandlung wohl nur, wenn die Architektur vom Einzelnen nicht länger als ein unabwendbares Schicksal erfahren wird. Wenn er nicht in dem Gefühl leben muss, dass „die da oben“ eh planen und bauen, was sie wollen. Wenn er merkt, dass Mitdenken und Mitmischen erwünscht sind. Das waren sie bislang nur selten. Die meisten Architekten und Stadtplaner beäugen öffentliche Debatten und bürgerschaftliche Partizipation fast als etwas Ehrenrühriges, als Zeit- und Kostenverschwendung, als feindliche Übernahme. Sie wollen bauen, nicht diskutieren. Und übersehen dabei, dass gerade in Diskussionen das entsteht, was den Ehrentitel Baukultur tatsächlich verdient: Neugier und Interesse.

Bislang haben nur wenige Städte die Architektur für sich entdeckt. Und wenn doch, dann nur in Form teurer Weltarchitekten und glitzernd-zappeliger Landmarken. Viel mühsamer und viel mutiger ist es hingegen, statt experimenteller Bauformen neue Experimente im Prozess des Planens und Bauens zu wagen. Viel anstrengender ist es, die eigenen Bürger nicht länger nur als Architekturtouristen zu begreifen, sondern als Mitgestalter. Doch nur so kann ein Neubau ähnliche Bindekräfte entfalten wie es viele Baudenkmäler tun, nur so kann er den Gemeinsinn stärken, kurz: die architektonische Geistesverfassung einer Stadt verändern. Noch verstehen sich Denkmalpfleger viel besser auf Einbindung und Öffentlichkeitsarbeit als die meisten Planer und Architekten.

Es gibt also vieles, was eine Stiftung Baukultur aufrühren und anregen könnte. Und zum Glück wird es sie, trotz des Spendenlochs, doch noch geben. Schon im Herbst, so ist’s zu hören, soll ein Gesetz erlassen werden, sodass die Stiftung im Frühjahr 2005 bereits die Arbeit beginnen kann – dann wieder mit hoher Hoffnung und großem Tatendrang.

DIE ZEIT 05.02.2004
Hausmeier
Mitglied

Beiträge: 177


 

Gesendet: 22:08 - 08.09.2004

Es gibt also vieles, was eine Stiftung Baukultur aufrühren und anregen könnte.

Die frage ist doch,was versteht man unter Baukultur?
Kann mir mal jemand klar machen,was diese Stiftung tun soll?

Die Klötzchen besser vermarkten?????



Warum florieren dann aber die Baumärkte? Und weshalb gibt es mittlerweile 37 Wohn- und Einrichtungszeitschriften, Tendenz steigend? Die Leute haben offenbar sehr wohl Geld und Sinn für Gestaltung. Und die Frage ist nur, wie man diesen Sinn aus den Wohnungen und Heimwerkerkellern herauslenkt, wie man das Interesse an Tapeten und Armaturen in ein Interesse an der Stadt und am Gemeinwohl verwandelt.

Aber nicht meuinen Geschmack,dahn muss ich für viiiel Geld im Antiquariat kaufen.

Wie wär es mit interiors um die Jahrhundertwende?
Jetzt mal was ganz anderes!
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oder jenes
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und das
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auch nich schlecht
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dann das
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dieses jenige
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dann dieses Zimmer
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jetzt das da
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dann dieses
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auch nich schlecht
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und zuletzt diese noch
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So das jetzt,.......

Was soll nun diese Stiftung?

Qui Mariam absolvisti
et Latronem exaudisti
mihi quoque spem dedisti
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 23:23 - 08.09.2004

@dirk

wieder einmal ein dankeschön an dich für den artikel.

im seminar architekturkritik, haben wir das thema "stiftung baukultur" und "architektur in der (fach-)presse" thematisiert.

in der tat, es liegt am verhaltenen beitrag der architekten , dass aus der einrichtung wohl nichts wird. die gründe sind vielschichtig. aber wahrscheinlich ist es wirklich ein glücksfall, wenn daraus - unter architektenregie - nichts wird.

ansonsten ist das thema natürlich dringender denn je. architektur erreicht schon lange nicht mehr die öffentlichkeit wie einst in der vergangenheit. allein der protest gegenüber einer zigfach wiederholten bausünde ruft die bevölkerung (glücklicherweise) immer noch und immer wieder auf. dabei ist es aber dann nicht das interesse oder die begeisterung der menschen, sondern der unmut und die ohnmacht gegenüber geplanter und ausgeführter modernistischer architektur.

eigentlich ziemlich traurig.

wenn ich bedenke, welchen stellenwert literatur in unserem lande hat und architektur dagegen im vergleich. aber wen wundert das schon. die architekten sind an dieser misere selber schuld.werden sie es mal noch einsehen, dass sie mit dem modernismus und seinen abstrusen trieben auf dem holzweg sind?

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