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 Forum Index —› Deutschland —› Palast der Republik: Neue Zwischennutzung
 


Autor Mitteilung
Booni
Mitglied

Beiträge: 190


 

Gesendet: 22:01 - 24.06.2004

Weg damit so schnell es geht! Ich glaube damit kann man auch die Diskussion wieder in den Mittelpunkt bringen und neue Sponsoren kriegen. Wer will den schon spenden wenn der Palast noch steht? Langsam wird's Zeit für 'ne Ausschreibung. Wenn die Infobox steht (sollte sie jemals stehen) will ich keinen PdR mehr sehen!
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 15:55 - 25.06.2004

keine angst.
um ihn "winterhart" zu machen, müsste man unsummen reinstecken.
er wird noch bis herbst benutzt, nächstes jahr kommt er bestimmt weg.
ich bin da zuversichtlich!
Seraph Eleison
Mitglied

Beiträge: 127


 

Gesendet: 16:05 - 25.06.2004

Na hoffentlich.
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


 

Gesendet: 15:29 - 13.09.2004

"...Ein Spätsommerabend, Ende August, im Palast der Republik, Berlin. Das Eröffnungsfest einer dreimonatigen Dauerveranstaltung. 2500 Menschen sind da, die meisten sind jung, kommen aus den hippen Bezirken Berlins, aus Mitte oder Prenzlauer Berg, und so, wie sie ansonsten gerne Turnschuhe und Sportjacken aus den siebziger und achtziger Jahren tragen, besuchen sie eben heute eine Retro-Party in einem Retro-Gebäude. Sie haben sich nicht einmal von Antje Vollmer, der grünen Vizepräsidentin des Bundestags, abschrecken lassen, die sicher ist, der Palast werde nun »der schrillste Schuppen im Land«. Wobei die Begriffe »schrill« und »Schuppen« rückwärtsgewandt sind wie die Retro-Party selbst. Das Programm am Abend der Eröffnung ist, wie soll man sagen, bunt gemischt. Zunächst passiert nichts, dann treten ein paar Bands auf.
Volkspalast haben die Initiatoren, einige Theatermacher der Stadt, ihre Zwischennutzung genannt. Bis zum Abriss soll nun gefeiert werden. Das Volkspalast-Logo ist sozialistischem Design nachempfunden. Es hängt als rotes Tuch groß am Palast. In den nächsten drei Monaten finden Partys und so genannte Events statt. Das Foyer wurde geflutet, mit Schlauchbooten paddeln Besucher seit vergangenem Wochenende umher, und natürlich hat auch Christoph Schlingensief erklärt, dass er mit einer Aktion mitmachen möchte. Udo Lindenberg hat sich ebenfalls gemeldet. Er will unbedingt noch einmal auftreten, sagt er, 21 Jahre nach seinem legendären Auftritt beim Festival Künstler für den Frieden. Udo Lindenberg hat vor kurzem seinen Plattenvertrag verloren. Er wittert eine Chance, eine Rückkehr in bessere Zeiten. Und sicher wird er die Schalmei, die er einst Erich Honecker schenken wollte, gerne noch mal aus dem Schrank holen.
Im Palast werden an diesem Freitagabend Bücher mit Titeln wie Von der Partei zur Party angeboten, man trinkt Beck’s Bier, steht herum und genießt die Ruinen-Atmosphäre. Die Disco WMF hat zwei alte Bars aufgebaut, an denen man 1994 erstmals Getränke ausgeschenkt hat.
So trifft an diesem Abend der ewige Retro-Trend »Ostalgie« die Sehnsucht der Szeneleute nach den wilden neunziger Jahren, als in Berlin überall illegal gefeiert wurde – und leer stehende Kaufhäuser in volle Clubs verwandelt wurden. Eine, die an der Organisation des Abends beteiligt ist, sagt: »Die Mitte-Leute sind gekommen, der alte Osten fast gar nicht.« Die Szene feiert die gute, alte Zeit – eine Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes fällt aus.
So funktioniert Retro oft: Man erfindet sich, wie die Ostalgiker, eine Vergangenheit, die so harmlos nie existierte. Oder erinnert sich, wie die Mittzwanziger aus Mitte und Prenzlauer Berg, an Erlebnisse, die man gar nicht selbst erlebt hat – aber im Nachhinein gerne erlebt hätte.
Man hat den Befürwortern des Schloss-Neubaus vorgehalten, sie seien reaktionär, doch an diesem Abend bekommt man einen anderen Eindruck: Die wahren Reaktionäre stehen hier und trinken Beck’s. Sie sind Teil einer Restauration light: Sie wünschen sich keine Armeen oder Kriege wie Reaktionäre das früher oft taten. Es geht ihnen nur darum, eine gute Zeit zu haben, wie »damals«, ob in der DDR oder in den frühen neunziger Jahren Ostberlins. Der politische Hintergrund spielt keine Rolle. Eine Besucherin, Mitte 20, wird im Laufe des Abends vor dem Palast von einem älteren Herrn angesprochen, ob sie nicht wisse, wofür das Gebäude einst stand. Sie antwortet mit einem Lächeln: »Aber haben die hier nicht auch früher viel gefeiert?« Tatsächlich fanden im Palast der Republik Feiern und Hochzeiten statt. Das Reaktionäre an diesem Abend kommt ungeheuer niedlich daher..."


Aus: "Willkommen in der Retro-Republik", Die Zeit 11.09.04
Kai_2
Senior-Mitglied

Beiträge: 288


 

Gesendet: 17:16 - 13.09.2004

ein klasse artikel, danke für's posten, dirk!
Jürgen
Senior-Mitglied

Beiträge: 370


 

Gesendet: 22:39 - 13.09.2004

Ja, das sind die eigentlich Reaktionären!!
Utopien im Kopf, die 80/100 Jahre alt sind, unfähig, an Deutschland zu denken, ohne Stalinismus und 3. Reich zu assoziieren, die so viel zerstört und gleichgeschaltet haben.

Unglaublich eigentlich, das doch noch so viele diesen wirren Ideen von damals nachhängen, egal ob rechts oder links... Und ärgerlich, das solche Jungs und Mädels uns vorschreiben wollen, welche Ästhetik - politisch korrekt - erlaubt sein soll...

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