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 Forum Index —› Architektur allgemein —› Neues Kunstmuseum Stuttgart
 


Autor Mitteilung
Weißer Wolf
Senior-Mitglied

Beiträge: 463


 

Gesendet: 12:51 - 26.04.2004

Frag ihn warum er sich keine traditionelle Fassade ausdenken konnte obwohl diese den meisten Menschen besser gefallen als diese kühle moderne und wenn er meint, wir leben im Jahre 2004 etc. dann frag ihn warum er es so sieht und eben nicht andersrum, dass die Moderne eigentlich rückschrittlich wäre. Und frage ihn was er sich für Stuttgart mit diesem Bau erhofft. Ob er glaubt, dass die ganze Welt nun auf Stuttgart blickt. Das hätte die Welt durchaus tun können, dies liegt aber an der Architektur und diese war in jenem Fall wirklich gräßlich. Darfst alles zitieren.

Dankeschön
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 17:08 - 06.05.2004

Hat jemand noch den Artikel parat, in dem es um den Eklat wegen des Leiters der städtischen Galerie um das neue Kunsthaus ging?

Könnte man den nochmal hier einstellen?
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


 

Gesendet: 17:36 - 06.05.2004

Im kunstsinnigen Gespräch fällt das Wort "Scheiße"

Galeriechef Schmidt äußert sich in einem Film abfällig über die neue Galerie - Zieht Oberbürgermeister Schuster Konsequenzen?

Der an Verbalattacken nicht eben arme Streit um das Konzept für die neue Galerie ist um eine Pointe reicher. In einem Studentenfilm über das Projekt sagt Galeriechef Schmidt, der Bau sei "ein Haufen Scheiße". Missverständnis, ruft der jetzt, er habe nur die frühen Pläne gemeint.

Von Mathias Bury und Alex Schütz

Der Andrang am Eingang zum Club Colibri, dem ehemaligen Kino an der Königstraße, war enorm am Donnerstagabend. Diejenigen, die es um 20 Uhr in die erste Vorstellung schafften, wurden nicht enttäuscht. Die einstündige Dokumentation über die Geschichte des Kleinen Schlossplatzes, wo derzeit die neue Galerie der Stadt entsteht, hielt in der Schlussszene ein kommunalpolitisches Schmankerl bereit. Galeriechef Schmidt Johann-Karl Schmidt im O-Ton: "Was Sie von mir wissen wollen, kann ich nicht sagen, dass dieser Bau ein Haufen Scheiße - haben Sie die Kamera abgeschaltet?" War sie nicht. Die drei Studenten der Merz-Akademie, die den Film gedreht haben, hatten das Gerät erst nach dieser deftigen Sequenz gestoppt. Die schätzungsweise vierhundert Zuschauer johlten vor Begeisterung.

"Zufall", sagt Cem Kaya, einer der Jungfilmer, kein bewusstes Manöver, "der Spruch kam einfach zu früh". Der markige Satz passte als Schlusspointe vor dem Abspann perfekt ins Konzept der kritischen Dokumentation. Die Autoren von "Die kalte Platte", wie der Schlossplatz auch genannt wurde, sind keine Freunde des neuen städtischen Kunsttempels. "Der Bau dient doch nur repräsentativen Zwecken", sagt Cem Kaya, "und ist an dieser Stelle einfach nicht angebracht."

Auch Johann-Karl Schmidt hat mit dem Neubau so seine Probleme. Anders als die Architekten Hascher und Jehle, die sich mit ihrem Programm offener Ausstellungsräume beim Gemeinderat durchsetzen konnten, bestand der Galeriechef für das Untergeschoss hartnäckig auf seinem "Kartausenprinzip", das eine Aufteilung des Untergeschosses in 44 kleine Räume vorsah. "Käseglocke" nannte Schmidt den Entwurf einer gläsernen Galerie einmal abfällig, er selbst musste für seine Idee kräftig Schelte von renommierten Fachkollegen einstecken. Der Streit spitzte sich so zu, dass der bekannte Ausstellungsmacher Götz Adriani und Beat Wyss, Chef des kunsthistorischen Instituts der Universität Stuttgart, das Handtuch warfen und unter Protest den Galeriebeirat verließen. Mit "gewundenen Worten", sagt Cem Kaya, habe Schmidt in dem Interview die neue Galerie kritisiert. Doch dann, zuletzt, doch noch der Paukenschlag: "Wenn die Maske fällt", rechtfertigt Kaya die Verwendung der brisanten Filmsequenz, "dann sag ich doch nicht, die Stelle wird nicht benutzt."

Der Galeriechef ist aufgebracht und hörbar erregt, hatte den Film gestern selbst aber noch nicht gesehen. "Mit einer infamen Technik zusammengeschnitten" sei der Film, sagt Schmidt. Die alte Galerie der Stadt habe er doch gemeint mit dem Kraftausdruck, "die ist doch in einem Zustand, der zum Himmel stinkt". Diese Version ließ er durch seinen Anwalt aber bald darauf dementieren. Zum Zeitpunkt des Interviews habe sich der Galerieneubau in der "Vorentwurfsphase" befunden, diese habe er gemeint, nie die äußere Gestalt. Er habe nur das damalige Lichtkonzept und die Struktur der Innenräume bemängelt. Nun spricht Schmidt in Superlativen über das Projekt: "Die Galerie ist perfekt, ich bin doch der, der sich am meisten darauf freut." Gegen den Film will er juristisch vorgehen, wegen Verstoßes gegen den Pressekodex. Die Äußerung sei vertraulich gewesen und unautorisiert veröffentlicht worden.

...Über seinen Sprecher Reinhard Schlossnikel ließ Wolfgang Schuster ausrichten, man werde die Sache zunächst intern klären. "Der OB kann sich aber nicht vorstellen, dass Schmidt das ernst gemeint hat", so Schlossnikel. Andernfalls könnte das Folgen haben. "Gegebenenfalls müssten wir Konsequenzen ziehen." (Anm.:Was ja dann auch getan wurde)

Stuttgarter Zeitung vom 12.07.2003
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 00:23 - 07.05.2004

Danke Dirk, für den Artikel.

Ich werde das Thema morgen mal ansprechen bei der Führung
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


 

Gesendet: 01:37 - 07.05.2004

"Bewusst wird an dieser Stelle auf modische oder historisierende Formen verzichtet." (Hascher/Jehle, Neues Kunstmuseum)

Wenn du magst, frag sie mal etwas provokativ wieso immer von "Verzicht" gesprochen wird, gerade als würde es schwerfallen. Oder ob das ganze nicht eher auf Abneigung bzw. Unwillen beruht.
Und ob sie mit den unregelmäßig "versetzt stehenden Fensterformaten" beim nebenan gleichzeitig entstehenden Handelshaus nicht doch einem derzeitigen (ziemlich albernen) Modetrend nachkommen, der allerdings mittlerweile zu häufig von unzähligen Architekten angewandt wird um noch besonders aufsehenerregend oder charakteristisch zu wirken.
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 14:56 - 09.05.2004

@dirk

deine frage bezüglich des "verzichts" und dem gleichzeitigen "verfall gegenüber modischen trends" konnte ich bei unserer befragung von hascher leider nicht mehr mit aufnehmen (habe dein posting erst nach dem ortstermin entdeckt ) ich werde die frage aber gerne in meiner schriftliche kritik miteinbeziehen.

darüberhinaus möchte ich hier auch einen kurzen bericht darüber abgeben, wie der termin am vergangenen freitagmorgen verlief. neben uns studenten und frau dr. ursula baus (von der db), die seminarleiterin, war außer architekt hascher auch frau ackermann, leiterin vom zukünftigen "kunstmuseum stuttgart", dabei.
ihre haltung beschränkte sich auf ein knapp 20 minütiges referat, in dem sie die vorteile der differenzierten innenräume des neubaus herausstellte, die ein breites spektrum an kunstdarstellung ermöglichen werden.wichtig war ihr auch zu betonen, dass sie auf grund der umstände erst sehr spät in die planungsphase miteinbezogen wurde, aber dennoch versucht ihre vorstellungen miteinzubringen. frau ackermann scheint, im gegensatz zu herr schmidt, von der formalen umsetzung des neuen kunsthauses überzeugt zu sein und damit "linientreu" und im sinne von stadt und architekt "pflegeleicht" zu sein.zwei mal wurde sie in ihrer darstellung vom architekten länger unterbrochen, der immer wieder die problematik mit dem ehemaligen galerieleiter schmidt herausstellte.hascher wirkte dabei anfangs weinerlich jammernd, kam aber zunehmend in dialektischer steigerung aus dieser position heraus und zur selbseinschätzung, alles richtig gemacht zu haben. nicht zuletzt fühlt er sich wohl bestärkt durch äußere schützenhilfe des kunstbeirats und künstlern, die anfänglich auf schmidts seite standen. allein die stuttgarter nachrichten hätten im sinne schmidts geschrieben, was aber gezielt gesteuert gesen sei.
hascher sprach dabei klar von einem perönlichen problem des herrn schmidt. (anmerk.: verdächtig, wenn der architekt diesem thema ein solch breiten rahmen einräumt- ablenkungsmanöver,oder?)

die probleme am bau waren ein weiterer schwerpunkt seiner monologe. schuldzuweisungen wurde im bogen von herrn schmidt über investoren, gemeinderäte etc. gespannt (anmerk.: wie war wohl frau ackermann in diesem momemt zumute, bei solchen "drohgebärden"???)er zeichnete uns studenten ein weiteres schreckensszenario auf, in der architekten heute schon und zukünftig noch mehr fremdbestimmt durch investoren und nur noch handlanger seien. ändere sich an diser situation nichts, würde der städtebau ein opfer der investoren. frau baus bemerkte dazu leicht genervt, daß daran die architekten selber schuld seien und sie selber etwas an der situation ändern müßten. die architekten müßten erkennen, daß wir in einer mediengesellschaft leben.


in der führung durch das halbfertige gebäude, vor lauter planen und gerüsten konnte man sich nur schwerlich ein bild machen vom endergebnis, wurde dann auch klar, dass die anfangsidee vom kunst-schaufenster des verglasten würfels plötzlich nicht mehr zur debatte stand. wie auch, zeigt doch gerade dieser glaswürfel, wie transparentlos glas infolge Färbung (sonnenschutzglas) und der eingravierten lamellen bei tageslicht wirkt. thema verfehlt, würde man da normalerweise sagen. aber hascher gesteht diesen fehler keinesfalls ein, behauptet sogar, ein kristalliner würfel sei nie angedacht gewesen, die kunst würde vielmehr in den innenräumen des massiven inneren kubus dargeboten und nur auf der äußeren gläsernen hülle würde zusätzlich temporäre kunst gezeigt. so müßte man das wort "kunst-schaufenster verstehen. fragt man sich dann aber nicht, warum der innere kubus nach aussen mit rauhem naturstein (muschelkalk?) behängt wurde, den man bei tageslicht von außen ohnehin nie sehen wird, sondern allenfalls in der nächtlichen Illumination...

Die innenräume des inneneren kubus sind alle sehr neutral (weiß) gestaltet, was aber nichts besonderes für kunsträume ist. die tunnelführung im unteren, hinteren teil des gebäudes wird von einem lichtstreifen auf dem ehemaligen kleinen schloßplatz von oben mit tageslicht beleuchtet. der raum zwischen glashülle und innerem kubus wird, nachdem das prinzip "kunst-schaufenster" nicht (mehr) funktioniert, zur reinen erschließung und wegeführung.Spätestens hier kann und muß man sich ernsthaft fragen, welche höhere intention diese gläserne hülle noch erfüllt, in der - während der abendstunden - allensfalls die publikumsfrequenz ersichtlich wird!?

im übrigen bleibt die städtebauliche problematik des kleinen schloßplatzes erhalten. "pauls boutique" und kleinere läden, die den alten kleinen schloßplatz erst zu seinem ende leben eingehaucht hatten, wurden bei der neuplanung nicht berücksichtigt, was aber die schuld des gemeinderats laut architekt sei, der einen pavillon oder cafe in diesem bereich verhindert hätte. Und die freitreppen, sozusagen als Reminiszenz, werden ihre funktion als sitzplatz in ihrer zurückversetzten lage wohl auch nicht mehr erfüllen können.Interessant wird auch die klimasituation in den sommermonaten werden. nach aussage haschers, alles kein problem: zum einen sei das glas ein ganz spezielles sonnenschutzglas und zum anderen wird das innere durch eine "kühlende wand" des inneren baukörpers temperiert. (anmerk.: wer weiß, vielleicht landet das neue kunsthaus nach seiner fertigstellung auch im reigen der gebäude, die in der aktuellen db als "schwitzkästen" bezeichnet werden. das wäre sehr peinlich. um solch einen imageschaden zu vermeiden und zugunsten der kunstgegenstäden wird man dann doch auf eine aufwendige, energiefressende und sehr teuere klimaanlage zurückgreifen müssen, um den schein zuwahren.)

alles schwachpunkte, auf die herr hascher nicht einzugehen vermochte. stattdessen gab es reichlich: fehler- und schuldzuweisungen und ein schreckensszenario mit weinerlichem unterton. die armen, armen architekten...
Antiquitus
Moderator

Beiträge: 943


 

Gesendet: 15:05 - 22.06.2004

die verunstaltung von stuttgarts schönstem platz geht weiter.
neubau hinter dem königsbau:

[Link zum eingefügten Bild]
Rösch
Senior-Mitglied

Beiträge: 343


 

Gesendet: 18:56 - 22.06.2004

Wo hast du das Bild gefunden?

Interessant, was einem vorgegaukelt wird.So luftig und transparent wie Visualisierungen des neuen Kunsthaus immer vermitteln wollen, ist es in keinster Weise. Man sieht bei Tage nichts von dem, was hinter dem Glaswürfel passiert. "Anspruch" und Realität klaffen hier weit auseinander. In der Schule würde man wohl sagen: Thema verfehhlt! 6!
Leider müssen wir aber nun mit dieser Verfehlung leben...
Der Anbau am Königsbau ist übrigens vom gleichen Architekten (Hascher) wie das Kunsthaus.
Ben
Goldenes Premium-Mitglied

Beiträge: 1337


 

Gesendet: 20:06 - 22.06.2004

"Der Anbau am Königsbau ist übrigens vom gleichen Architekten (Hascher) wie das Kunsthaus."

Na, das kann ja nichts werden...
Dirk1975
Moderator

Beiträge: 435


 

Gesendet: 18:32 - 24.06.2004

Und so sieht das Ganze nun aus:

[Link zum eingefügten Bild]

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