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 Forum Index —› Deutschland —› Neues Museum in Berlin
 


Autor Mitteilung
Richard
registriert

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Gesendet: 23:31 - 27.12.2003

@Cuypers
Nicht wahr, der Artikel hat was?
Es wäre notabene mein bitterer Ernst, daß ich gerne für vier Jahre einen Manne wie Pierer oder Späth mit diktatorischen Vollmachten ausstatten möchte. Man könnte es ja mit Einschränkungen versehen, aber von der Politikkaste ist wirklich gar nichts mehr zu erwarten.
Es gibt übrigens seit einigen Wochenein sehr empfehlenswertes Buch
"Ist Deutschland noch zu retten?"
Der Autor ist Hans-Werner Sinn, Professor für Nationalökonomie und Finanzwirtschaft an der Uni München; Econ - Verlag, 25,- Euro.
Dort analysiert er die Strukturprobleme Deutschlands und fügt auch ein Lösungskompendium bei.
Sollte man sich nachträglich zu Weihnachten wünschen.
Cuypers
Mitglied

Beiträge: 110


 

Gesendet: 23:43 - 27.12.2003

Herr Sinn hat seine Kompetenz in zahlosen Fernsehinterviews unter Beweis gestellt. Allerdings sind die Strukturprobleme und die dazugehörigen möglichen Lösungen, jedem Erstsemester Vwl bekannt.

Die Erkenntniss ist da, aber die Umsetzung einer Lösung, kann ich momentan nicht erkennen.
Aber so lange die Herren Sommer, Lafontaine, Geißler, Peters und Huber ihre feste Lobby in den Medien haben, wir dies extrem schwer!
Einfach unfassbar!! Das Volk ist noch nicht bereit sich zu ändern. Anscheinend, geht es uns NOCH zu gut.
Richard
registriert

Beiträge:


 

Gesendet: 23:47 - 27.12.2003

@Cuypers
Ob das Volk dazu bereit wäre, sei dahingestellt, das wissen wir nicht so recht.
Auf jeden Fall ist die Politik nicht dazu bereit, denn die Furcht vor dem Groll des Wählers läßt sie weiter vor sich hinwursteln.
Es wäre zumindest Zeit für eine große Koalition.
Und kannst Du ein Mitglied von Regierung und Opposition benennen, das Dir sympathisch wäre und dem Du Sachkompetenz zutraust?
Cuypers
Mitglied

Beiträge: 110


 

Gesendet: 23:55 - 27.12.2003

@Richard
Du sagst:
"Ob das Volk dazu bereit wäre, sei dahingestellt..."
aber andererseits sagst Du:
"...denn die Furcht vor dem Groll des Wählers..."

Da sehe ich ein Widerspruch. Den, wenn das Volk bereit wäre, wieso sollte man dann die Wähler(das Volk) fürchten?

Und zu deinem Politiker:

Eindeutig: Friedrich Merz, Lorenz Meier und Edmund Stoiber.

Von einer großen Koalition halte ich wenig. Oder kannst Du dir Nales und Schreiner in einer Koalition mit Merz und Stoiber vorstellen? Das wäre das totale Chaos.
Cuypers
Mitglied

Beiträge: 110


 

Gesendet: 00:05 - 28.12.2003

Ah Richard, Du wohnst ja in Berlin.
Kannst Du mir Informationen über diese Gebäude(es heißst Haus Liebermann; Foto von Oliver):
[Link zum eingefügten Bild]
Wann wurde es gebaut und wo genau steht es?
Richard
registriert

Beiträge:


 

Gesendet: 00:09 - 28.12.2003

@Cuypers
Nein, das Gebäude kenne ich leider nicht.

Die Politiker unterschätzen das Volk, sie mißtrauen ihm, weil sie selbst nicht aufrichtig sind.
Das haben wir doch bei Kohls Rede 1990 gesehen, wo er die Deutsche Einheit aus der Portokasse finanzieren wollte. Eine Blut-Schweiß- und Tränen - Rede hätte der Realität entsprochen und die Menschen entsprechend eingestimmt.
Cuypers
Mitglied

Beiträge: 110


 

Gesendet: 00:22 - 28.12.2003

Die Kohl-Rede kenne ich leider nicht, da war ich noch zu jung. Aber Du darfst eines nicht vergessen, unter Kohl hatten wir in den 90'ern noch im Schnitt 2,7% Wachstum per Anno!! Und das obwohl die Einheit noch frischw ar und Millionen von Asylbewerbern und 400.000 Bosnienflüchtlinge ins Land strömten. Desweiteren wurden wichtige Refomren auf den Weg gebracht, aber leider des öfteren 1998 wieder zurückgenommen(Lohnfortzahlung, 310,--€ etc...) Und das die Steuerreform 96/97 blockiert wurde, ist Vaterlandsverrat!!! Aber das Volk wollte Schröder und es bekam Schröder. Jetzt haben wir drei Jahre nach Gang Nullwachstum und zerstören, den von Kohl eingeführten(!), EU Stabilitätspakt. Wir stehen jetzt in der Wachstumstabelle schon zu dritten mal am letzten Platz! Hinter Portugal, Griechenland oder Spanien! Das hätte vor 10 Jahren mal einer sagen sollen!
Es gab doch diese schöne Spiegel Interview mit Müntefering. In dem wird er u.a. gefragt, ob er wegem dem Zustand des Landes Scham empfinde. Unbedingt lesen.
Ich kann mir den Zustand unseres Landes nicht einmal mehr schön saufen

In diesem Sinne, eine gute Nacht.
Sonicted
Stammgast

Beiträge: 68


 

Gesendet: 01:10 - 28.12.2003

Aber Du darfst eines nicht vergessen, unter Kohl hatten wir in den 90'ern noch im Schnitt 2,7% Wachstum per Anno!! Und das obwohl die Einheit noch frischw ar und Millionen von Asylbewerbern und 400.000 Bosnienflüchtlinge ins Land strömten. Desweiteren wurden wichtige Refomren auf den Weg gebracht, aber leider des öfteren 1998 wieder zurückgenommen(Lohnfortzahlung, 310,--€ etc...)

Bei der Wiedervereinigung wurden so einige Fehler gemacht, an denen Ostdeutschland noch heute krankt:

- Umtausch DM/DDR Mark 1:1, obwohl der Wechselkurs bei 1:5 lag. Folge: die ostdeutsche Industrie war nicht mehr wettbewerbsfähig auf dem internationalen Markt (Preise ihrer Güter hatten sich ja plötzlich verfünffacht), Entlassung von Arbeitern.

- Rapide Anpassung des ostdeutschen Lohnniveaus ans Westdeutsche.

Es gab glaub ich noch einen dritten gravierenden Fehler, hab ich aber grad vergessen.
Diese Dinge gehen z.T. auf Kohl's Kappe und sind Hauptgrund für die Probleme Ostdeutschlands.
Bei aller Kritik an der Regierung Schröders' darf man nicht vergessen, dass die Weltwirtschaft mit Amerika an der Spitze sich seit drei Jahren in Stagnation befindet und dies natürlich Auswirkungen auf Deutschland hat. Da kann Schröder weniger für.
Olivier
Novize

Beiträge: 39


 

Gesendet: 01:49 - 28.12.2003

@Cuypers

Die Häuser Liebermann, wie auch das Haus Sommer, welche links und rechts des Brandenburger Tores stehen wurden von Josef Paul Kleihues zwischen 1996 bis 1997 errichtet.

Gruss Olivier
H. C. Stössinger
Senior-Mitglied

Beiträge: 422


 

Gesendet: 08:16 - 28.12.2003

Zum Neuen Museum:

"...Jetzt muss entschieden werden, wie die Schäden retuschiert werden sollen - und ob überhaupt. Denn grundsätzlich soll als Leitlinie das „Bekenntnis zur Zerstörung“ gelten. Der Direktor, noch immer vom Wunsch beseelt, endlich in den Römischen Saal mit seinem Rundumblick auf die antike Metropole und seinen Säulen, auf denen alte Mosaike Steinchen für Steinchen gemalt (!) sind, will die Spuren der Zerstörung nicht verwischen. Nach „einem langen Lernprozess“ bekennt er sich zum Historismus. Er will die Ruine zwar nicht romantisieren - obwohl sie durchaus die Kulisse böte für eine spektakuläre Inszenierung ihrer selbst - , aber er will die Authentizität des fast zu Tode geschundenen Bauwerks doch bewahren. „Das Echte“, sagt er, „ist unsere Marktlücke.“ Und so sollen die Narben auch in Zukunft sichtbar bleiben..."

(Aus DIE WELT 23.12.2002)

Nun, entweder baut man etwas auf oder zerstört es. Etwas zerstört wieder aufbauen ist der größte Unfug den es gibt.

Die "Bekenntnis zur Zerstörung" - also die Bekenntnis zur Ruine - die Bekenntniss zum Kaputten - was für ein krankes Hirn! Sollen wir also schön in Ruinen hausen - um uns zu den Verwüstungen des WW2 zu bekennen? Dazu habe ich persönlich keinen Bock! Ich denke, ich habe das Recht auf eine schöne und intakte Umwelt. Das mit dem Braunauer damals war schließlich nicht meine Idee. Und ich denke, dass ich das Recht auf eine Totalreko des Museums habe - ich arbeite schwer und zahle meine Steuern - dafür will ich auch etwas sehen.

"...Herzstück des Stülerbaus, in dem auch Chipperfield den "wichtigsten preußischen Monumentalbau seiner Zeit" erkennt, ist die Treppenhalle. Sie war ein architektonisches Meisterwerk, das in späterer Zeit hundertfach nachgeahmt worden ist. Um die herausragende Qualität dieser Pretiose der Architektur neu erfahrbar zu machen, genügt es daher nicht, sie nur in Umrissen nachzugestalten; denn dabei entstünde ein schwacher Abklatsch nicht nur des Originals, sondern sogar der teilweise prächtig ausstaffierten Kopien. Ein "abgespeckter" Stüler würde das nie wieder erreichte Vorbild in ein Falsifikat verwandeln, das sich als Zeuge der Dachpappen- und Enttrümmerungszeit geriert.

Das von Chipperfield präsentierte Projekt lässt befürchten, dass der Architekt mit den ihm nahe gelegten Mitteln eines denkmalpflegerischen Purismus genau in diese Falle tappt. Auf das Prunkstück, die bekrönende Korenhalle, verzichtet er ganz. Ebenso auf Stülers exotisches Implantat: den mit unglaublicher Raffinesse gestalteten Ägyptischen Hof. Sein überkorrekt an ebenso willkürlichen wie halbherzigen Vorgaben orientiertes Projekt droht zu einem Abmagerungs- und Notbehelfskonstrukt zu werden, das die Gesichtszüge des Originals nur scheinbar zu neuem Leben erweckt, in Wahrheit aber zur Grimasse verzerrt.

Ist es wirklich unausweichlich, dass das 50 Jahre aufgeschobene Bauvorhaben, dessen Ausführung Millionen verschlingt, mit der Zerstörung des Objektes endet? Berlin besitzt eine Handvoll Gebäude, deren Totalrekonstruktion nicht nur lohnt, sondern dringend geboten erscheint. Neben dem Schloss gehört das Neue Museum in diese Sonderklasse. Als Bauwerk selbst eine hochkünstlerische Arbeit der architektonischen Rekonstruktion, rechtfertigt es den Aufwand einer "Rekonstruktion der Rekonstruktion" wie kein zweiter Bau. Auch wenn dafür ein vierter Entwurf unumgänglich sein sollte..."

(Aus DIE WELT vom 04.04.2000)


"...Mehr als fünf Jahre sind vergangen, seitdem Chipperfield den Planungsauftrag erhielt. Lange Zeit schien wegen der finanziellen Schwierigkeiten Berlins das Wiederaufbauwerk gefährdet, bis sich der Bund endlich zur Übernahme der Kosten verpflichtete. Chipperfield nutzte die Zeit, um an "einem runden Tisch" mit der Denkmalpflege ein tragfähiges Konzept zu entwickeln. Er verzichtet auf eine romantische Rekonstruktion genauso wie auf den scharfen Kontrast von Alt versus Neu. Chipperfield belässt dem Stüler-Bau seine Würde und baut ihn weiter..."

(DIE WELT 25.06.2003)

Da hat man nun diesen Minimalisten endlich gefunden, der den Herzenswünschen der Verantwortlichen entspricht: Zwar wird des Museum nicht modern vergewaltigt, aber richtig wiederaufgebaut wird es auch nicht. Letztendlich bleibt alles wie es ist - Es bekommt nur ein Dach gegen den Regen, damit das Publikum kommen kann - zum abkassiert werden.

Tja Leute - solange kaputt aufgebaut wird in Berlin - solange wird es eine der hässlichsten Städte bleiben!





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